21. Handelskolloquium: „Sozial HANDELn!“ (PDHV035) 05.03.2010
CSR als Erfolgsmodell / Das 21. Handelskolloquium behandelte das heiße Thema Corporate Social Responsibility (CSR). Der Anlassfall: Wirtschaftskrise, Umweltverschmutzung und soziale Probleme haben die Sehnsucht nach traditionellen Werten wie Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit in uns allen geweckt. Wie nimmt der heimische Handel diese Herausforderung an? CSR als „Ökomascherl“ oder gelebte Unternehmensphilosophie? Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren und präsentierten ihre Erfahrungen.
Wien – 05.03.2010; Corporate Social Responsibility ist ein modernes Wort für eine sehr alte Tradition – zumindest soweit es den Handel betrifft. „Der ehrbare Kaufmann aus früheren Zeiten ist heute wieder gefragt“, stellte Handelsverband Präsident Stephan Mayer Heinisch in seiner Eröffnungsrede des 21. Handelskolloquiums fest. Der Einladung des Handelsverbandes am 4. März im Haus der Industrie folgten über 150 Teilnehmer. „Für uns ein das ein sicheres Indiz dafür, dass soziale Verantwortung für viele Handelsunternehmen nicht nur ein Schlagwort ist, sondern echtes Interesse da ist, sich hier stärker zu engagieren“ freut sich Dr. Stefan Mumelter, Geschäftsführer des Handelsverbandes über die gelungene Veranstaltung, die dank der von Spar und Ernst & Young gesponserten Buffets auch ein kulinarischer Erfolg wurde.
Der emeritierte Abt und Universitätsprofessor Joachim Angerer knüpfte in seinem Referat an die Figur des ehrbaren Kaufmannes an und appellierte die anwesenden Unternehmen, nicht immer Richtung USA zu schielen, sondern sich vielmehr an europäischen Werten und Kultur zu orientieren: „Auch wenn Technik im Zeitalter der Globalisierung eine immer größere Rolle spielt, dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen Gemeinschaftstiere sind, die einander brauchen.“
CSR beugt Imagekatastrophen vor.
„Rethink your Business“ rieten Ursula Kopp und Sabine Gisch-Boie vom Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung der WU Wien. Der Entstehungsprozess für CSR sei eine Arbeit, die weder Anfang noch Ende habe, die jedoch Vertrauen, Qualität und Reputation eines Unternehmens nachhaltig verbessern könne: „Sehen Sie sich die Wertschöpfungskette in Ihrem Unternehmen an und überprüfen Sie ihr eigenes Kerngeschäft auf Nachhaltigkeit und soziale Werte,“ so die beiden Expertinnen. Imagekatastrophen wie sie etwa Kinderarbeit oder schlechte Arbeitsbedingungen bei Lieferanten hervorrufen, könnten so von vornherein vermieden werden. CSR sei aber niemals nur eine PR-Maßnahme sondern nur dann wirkungsvoll, wenn es in allen Teilen – also auch unter den eigenen MitarbeiterInnen – gelebt wird.
Konsumenten sind verunsichert.
Jonathan Banks von Nielsen schilderte anschließend, wie Konsumenten ticken. Gesundheit, Kriminalität, das Wohlergehen von Kindern und Familie – und allen voran das Einkommen – gehören zu den größten Sorgen, die sich diese laut Umfragen täglich machen. Doch nicht nur Ängste auch widersprüchliche oder irreführende Informationsvielfalt verunsichern Konsumenten, die ja meist nicht die Möglichkeit haben, Angaben von Händlern oder Herstellern zu überprüfen, sondern diesen einfach vertrauen müssen. Mit CSR, also gelebter Integrität, können Sie jeder Kritik widerstehen, rät Banks.
Greenpeace als Einkaufsberater.
Wie heimische Handelsunternehmen CSR ins Unternehmen integrieren, demonstrierte Carmen Wieser von Spar: Sogar Greenpeace hat da nicht mehr viel auszusetzen, denn auf Anraten der Umweltorganisation habe man bedrohte Fischarten aus dem Sortiment genommen. „Durchaus nicht zu unserem Vorteil,“ betonte Wieser, doch gelebte soziale Verantwortung müsse sich in Produkten ebenso wie in der Reduktion des CO2-Anstoßes oder dem Verhalten der MitarbeiterInnen wiederfinden. Manche nehmen dies besonders ernst: So sperrte sich etwa der Sortimentsmanager für Energiesparlampen drei Tage in einer dunklen Kammer ein, um zu testen, welche das angenehmste Licht für die Konsumentenaugen bieten…
Abkehr von Gier und Reizüberflutung.
„CSR ist die Entwicklung einer kulturellen ganzheitlichen Verantwortlichkeit,“ betonte Martin Engelmann von dm. Um Gewinnmaximierung gehe es dabei nicht, denn mit Gier und der Befriedigung nicht existenter Bedürfnisse ließe es sich leichter und schneller verkaufen. Wohingegen Vertrauen und Reputation erst mit der Zeit positiv wirken. Neben der integralen CSR zählen soziale Projekte wie etwa die Patenschaft für bedürftige Familien oder der dm-Frauenlauf zu den bekanntesten Aktivitäten in diesem Bereich.
CSR = Wohltätigkeit?
Einen ganz anderen, sehr amerikanischen Ansatz für CSR wählte der bekannte Getränkeproduzent Red Bull. Rudolf Theierl erklärte, dass man CSR bewusst getrennt vom Unternehmen sehen müsse. „Give it back to society“ lautet das Motto. Wer viel Geld verdient, soll es durch finanzielle Wohltätigkeit wieder an die Gesellschaft zurück geben. Derzeit werden etwa die medizinische Privatuniversität in Salzburg sowie Forschungsprojekte für Querschnittgelähmte oder ein Unterrichtsprogramm für Schulkinder zur Suchtprävention mit großzügigen Geldbeträgen von Red Bull unterstützt. Die Unternehmenskultur des Getränkeproduzenten bleibt davon jedoch unberührt: „In dem Bereich könnten wir durchaus noch lernen,“ räumt Theierl selbstkritisch ein.
Echte soziale Verantwortung oder seichte Imagekampagne?
Diese Frage diskutierten abschließend die Moderatorin der Veranstaltung Dorothea Hagenauer-Stattmann von Nielsen, Hildegard Aichberger vom WWF Österreich, Brigitte Frey von Ernst & Young, Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich, Martin Kowatsch, Netzwerkleiter „Arbeit & Soziales“ im Handelsverband, Gerhard Lassnig von Soma Sozialmarkt sowie Franz Radatz von Radatz Feine Wiener Fleischwaren GmbH. Die Diskutanten stellten fest, dass es zwar viele Ansätze gebe, dass CSR jedoch noch in den Kinderschuhen stecke. Die Überschüsse eines Unternehmens könnten noch viel stärker in diesen Bereich fließen. Ein Richtungswechsel wird gefordert: Von einer Wegwerfgesellschaft hin zu nachhaltigem und verantwortlichem Unternehmertum – eben jenem anfangs zitierten „ehrbaren Kaufmann“…
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Dr. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes
Mag. Carmen Wieser, Head of CSR, Spar Österreichische Warenhandels AG
Rudolf Theierl, Prokurist Red Bull GmbH
Die Bildrechte liegen beim Handelsverband, Wiedergabe mit Quellenangabe ist jederzeit erlaubt.
Der Handelsverband ist eine freiwillige Interessenvertretung von derzeit mehr als 150 großen Handelsbetrieben in Österreich. Wir nehmen die Funktionen eines Wirtschafts-, Berufs- und Arbeitgeberverbandes wahr. Wir verstehen uns als handelsorientiertes Dienstleistungszentrum und als branchenübergreifendes Wirtschaftsforum. Mit Richtlinien, Kennzeichen und Gütesiegeln fördern wir das Qualitätsbewusstsein der Konsumenten und setzen hohe Standards. Wir fördern das Vertrauen der Konsumenten in den Handel und informieren Konsumenten über aktuelle Entwicklungen.
Rückfragehinweis:
Handelsverband
Dr. Stefan Mumelter
Geschäftsführer
Tel: +43-1-406 22 36
CSR als Erfolgsmodell / Das 21. Handelskolloquium behandelte das heiße Thema Corporate Social Responsibility (CSR). Der Anlassfall: Wirtschaftskrise, Umweltverschmutzung und soziale Probleme haben die Sehnsucht nach traditionellen Werten wie Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit in uns allen geweckt. Wie nimmt der heimische Handel diese Herausforderung an? CSR als „Ökomascherl“ oder gelebte Unternehmensphilosophie? Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren und präsentierten ihre Erfahrungen.
Wien – 05.03.2010; Corporate Social Responsibility ist ein modernes Wort für eine sehr alte Tradition – zumindest soweit es den Handel betrifft. „Der ehrbare Kaufmann aus früheren Zeiten ist heute wieder gefragt“, stellte Handelsverband Präsident Stephan Mayer Heinisch in seiner Eröffnungsrede des 21. Handelskolloquiums fest. Der Einladung des Handelsverbandes am 4. März im Haus der Industrie folgten über 150 Teilnehmer. „Für uns ein das ein sicheres Indiz dafür, dass soziale Verantwortung für viele Handelsunternehmen nicht nur ein Schlagwort ist, sondern echtes Interesse da ist, sich hier stärker zu engagieren“ freut sich Dr. Stefan Mumelter, Geschäftsführer des Handelsverbandes über die gelungene Veranstaltung, die dank der von Spar und Ernst & Young gesponserten Buffets auch ein kulinarischer Erfolg wurde.
Der emeritierte Abt und Universitätsprofessor Joachim Angerer knüpfte in seinem Referat an die Figur des ehrbaren Kaufmannes an und appellierte die anwesenden Unternehmen, nicht immer Richtung USA zu schielen, sondern sich vielmehr an europäischen Werten und Kultur zu orientieren: „Auch wenn Technik im Zeitalter der Globalisierung eine immer größere Rolle spielt, dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen Gemeinschaftstiere sind, die einander brauchen.“
CSR beugt Imagekatastrophen vor.
„Rethink your Business“ rieten Ursula Kopp und Sabine Gisch-Boie vom Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung der WU Wien. Der Entstehungsprozess für CSR sei eine Arbeit, die weder Anfang noch Ende habe, die jedoch Vertrauen, Qualität und Reputation eines Unternehmens nachhaltig verbessern könne: „Sehen Sie sich die Wertschöpfungskette in Ihrem Unternehmen an und überprüfen Sie ihr eigenes Kerngeschäft auf Nachhaltigkeit und soziale Werte,“ so die beiden Expertinnen. Imagekatastrophen wie sie etwa Kinderarbeit oder schlechte Arbeitsbedingungen bei Lieferanten hervorrufen, könnten so von vornherein vermieden werden. CSR sei aber niemals nur eine PR-Maßnahme sondern nur dann wirkungsvoll, wenn es in allen Teilen – also auch unter den eigenen MitarbeiterInnen – gelebt wird.
Konsumenten sind verunsichert.
Jonathan Banks von Nielsen schilderte anschließend, wie Konsumenten ticken. Gesundheit, Kriminalität, das Wohlergehen von Kindern und Familie – und allen voran das Einkommen – gehören zu den größten Sorgen, die sich diese laut Umfragen täglich machen. Doch nicht nur Ängste auch widersprüchliche oder irreführende Informationsvielfalt verunsichern Konsumenten, die ja meist nicht die Möglichkeit haben, Angaben von Händlern oder Herstellern zu überprüfen, sondern diesen einfach vertrauen müssen. Mit CSR, also gelebter Integrität, können Sie jeder Kritik widerstehen, rät Banks.
Greenpeace als Einkaufsberater.
Wie heimische Handelsunternehmen CSR ins Unternehmen integrieren, demonstrierte Carmen Wieser von Spar: Sogar Greenpeace hat da nicht mehr viel auszusetzen, denn auf Anraten der Umweltorganisation habe man bedrohte Fischarten aus dem Sortiment genommen. „Durchaus nicht zu unserem Vorteil,“ betonte Wieser, doch gelebte soziale Verantwortung müsse sich in Produkten ebenso wie in der Reduktion des CO2-Anstoßes oder dem Verhalten der MitarbeiterInnen wiederfinden. Manche nehmen dies besonders ernst: So sperrte sich etwa der Sortimentsmanager für Energiesparlampen drei Tage in einer dunklen Kammer ein, um zu testen, welche das angenehmste Licht für die Konsumentenaugen bieten…
Abkehr von Gier und Reizüberflutung.
„CSR ist die Entwicklung einer kulturellen ganzheitlichen Verantwortlichkeit,“ betonte Martin Engelmann von dm. Um Gewinnmaximierung gehe es dabei nicht, denn mit Gier und der Befriedigung nicht existenter Bedürfnisse ließe es sich leichter und schneller verkaufen. Wohingegen Vertrauen und Reputation erst mit der Zeit positiv wirken. Neben der integralen CSR zählen soziale Projekte wie etwa die Patenschaft für bedürftige Familien oder der dm-Frauenlauf zu den bekanntesten Aktivitäten in diesem Bereich.
CSR = Wohltätigkeit?
Einen ganz anderen, sehr amerikanischen Ansatz für CSR wählte der bekannte Getränkeproduzent Red Bull. Rudolf Theierl erklärte, dass man CSR bewusst getrennt vom Unternehmen sehen müsse. „Give it back to society“ lautet das Motto. Wer viel Geld verdient, soll es durch finanzielle Wohltätigkeit wieder an die Gesellschaft zurück geben. Derzeit werden etwa die medizinische Privatuniversität in Salzburg sowie Forschungsprojekte für Querschnittgelähmte oder ein Unterrichtsprogramm für Schulkinder zur Suchtprävention mit großzügigen Geldbeträgen von Red Bull unterstützt. Die Unternehmenskultur des Getränkeproduzenten bleibt davon jedoch unberührt: „In dem Bereich könnten wir durchaus noch lernen,“ räumt Theierl selbstkritisch ein.
Echte soziale Verantwortung oder seichte Imagekampagne?
Diese Frage diskutierten abschließend die Moderatorin der Veranstaltung Dorothea Hagenauer-Stattmann von Nielsen, Hildegard Aichberger vom WWF Österreich, Brigitte Frey von Ernst & Young, Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich, Martin Kowatsch, Netzwerkleiter „Arbeit & Soziales“ im Handelsverband, Gerhard Lassnig von Soma Sozialmarkt sowie Franz Radatz von Radatz Feine Wiener Fleischwaren GmbH. Die Diskutanten stellten fest, dass es zwar viele Ansätze gebe, dass CSR jedoch noch in den Kinderschuhen stecke. Die Überschüsse eines Unternehmens könnten noch viel stärker in diesen Bereich fließen. Ein Richtungswechsel wird gefordert: Von einer Wegwerfgesellschaft hin zu nachhaltigem und verantwortlichem Unternehmertum – eben jenem anfangs zitierten „ehrbaren Kaufmann“…
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Dr. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes
Mag. Carmen Wieser, Head of CSR, Spar Österreichische Warenhandels AG
Rudolf Theierl, Prokurist Red Bull GmbH
Die Bildrechte liegen beim Handelsverband, Wiedergabe mit Quellenangabe ist jederzeit erlaubt.
Der Handelsverband ist eine freiwillige Interessenvertretung von derzeit mehr als 150 großen Handelsbetrieben in Österreich. Wir nehmen die Funktionen eines Wirtschafts-, Berufs- und Arbeitgeberverbandes wahr. Wir verstehen uns als handelsorientiertes Dienstleistungszentrum und als branchenübergreifendes Wirtschaftsforum. Mit Richtlinien, Kennzeichen und Gütesiegeln fördern wir das Qualitätsbewusstsein der Konsumenten und setzen hohe Standards. Wir fördern das Vertrauen der Konsumenten in den Handel und informieren Konsumenten über aktuelle Entwicklungen.
Rückfragehinweis:
Handelsverband
Dr. Stefan Mumelter
Geschäftsführer
Tel: +43-1-406 22 36



