• Big Data - Flut und Segen

    25. Handelskolloquium - Wien, 15. April 2015

Big Data`s Chancen für den Handel, Best Practices und Datenschutzaspekte - diese Themen stellte der Handelsverband unter dem Titel "Big Data - Flut und Segen" in den Mittelpunkt des Handelskolloquiums am 15. April 2015. Rund 130 hochkarätige Gäste und ExpertInnen folgten der Einladung in das Tagungszentrum des Schloss Schönbrunn. Fazit: Die Daten und Technologien sind da - nun gilt es, das individuelle Geschäftsmodell zu finden und die Prozesse anzupassen. Erfolgreiche Best Practices weisen schon heute den Weg. 

Rund 130 BesucherInnen aus dem Handel folgten der Einladung in das Tagungszentrum des Schloss Schönbrunn, darunter Stephanie Reimann (bauMax), Christian Prokopp (Gewusst wie Drogerie), Johannes Weinzierl (Hartlauer), Michael Sorré (REWE), Andreas Frick (SPAR), Rudolf Roitner (SSI Schäfer Shop) und Klaus Frahm (BestSecret).

Sponsoren

 
 
 

Sprecher

Moritz Corbelin

Head of E-Commerce Strategy, Otto Group, Hamburg
Corbelin studierte Internationale Wirtschaft in Maastricht und absolvierte einen Master in International Management an der ESCP Europe Business School. Seine berufliche Karriere startete er als Senior Consultant bei PricewaterhouseCoopers, 2010 gründete er CashBits.com. 2012 wechselte er zur Otto Group, wo er seit 2013 die E-Commerce Aktivitäten analysiert und bewertet.

Daniel Cronin

Moderator, Pioneers Festival; Vorstandsmitglied, AustrianStartups e.V., Wien
Cronin ist leidenschaftlicher Entrepreneur, Universitätslektor und Moderator. 2011 war er Gründungsmitglied der App-Agentur all about apps. Er ist Co-Gründer und Vorstandsmitglied von AustrianStartups und unterrichtet an der WU Wien, der TU Wien und der FH in Hagenberg. Er moderierte die TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“ auf PULS4, die Startup Week 2001 und das Pioneers Festival 2012, 2013 und 2014.

Alexander Gänsdorfer

Senior Manager Big Data, Media Sales & Cooperations, T-Mobile Austria GmbH, Wien
Gänsdorfer absolvierte nach der Werbeakademie ein Studium der Kommunikationswissenschaft an der FH Wien und sammelte Erfahrung in diversen Werbeagenturen. 2011 gründete er die Beratungsagentur Marken-Häuptling, im selben Jahr wurde er Senior Brand Manager für tele.ring bei T-Mobile Austria. Seit 2014 leitet er gemeinsam mit einem Kollegen die New Business Abteilung von T-Mobile und beschäftigt sich mit Big Data.

Harry Gatterer

Geschäftsführer, Zukunftsinstitut GmbH, Wien
Gatterer ist Trendforscher und Experte für „New Living“. Seine Domäne: Neue Lebensstile und ihre Wirkung auf Gesellschaft, Unternehmen, Konsum und Freizeit. Sein erstes Unternehmen gründete er im Alter von 20 Jahren. Zwei Jahre war er Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Österreichs mit mehr als 36.000 Mitgliedern, seit 2010 leitet er das Zukunftsinstitut in Wien.

Florian Größwang

Geschäftsführer, WEIN & CO Handelsges.m.b.H., Vösendorf
Größwang ist seit 2012 Geschäftsführer von Wein & Co, davor war er u.a. Marketing- und Vertriebsleiter sowie Geschäftsführer Vertrieb bei Sport Eybl. Im Fokus seines  Handelns steht stets der Kundennutzen. Sein Motto ist es, die Kunden zu Fans der Marke zu machen. Grundvoraussetzung dafür ist es, seine Kunden bestmöglich zu  kennen und mit möglichst geringen Streuverlusten anzusprechen.

Andreas Hladky

Gründer und Geschäftsführer, point of origin – Marketing Consulting & Consumer  Intelligence GmbH, Wien
Hladky ist Eigentümer der Marketingberatungs- und Technologieagentur point of origin mit Sitz in Wien und Niederlassungen in Zürich, Montreal und Sao Paulo. Er studiert(e) Psychologie, Philosophie und Kulturantrophologie an der Universität Wien, Projektmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien und besuchte die  Europäische Business School INSEAD in Fontainebleau.

Andreas Krebs

Vorstand, GrECo International AG, Wien
Nach dem Dolmetscherstudium begann Krebs seine Tätigkeit in der Versicherungsbranche mit Schwerpunkt auf Vertrieb, Marketing, Industrie- und Rückversicherung. Seit 1986 hatte er verschiedene leitende Funktionen inne. 2007 avancierte  er zum Mitglied der Geschäftsleitung der GrECo International AG, 2009 zum Vorstandsmitglied. Er engagiert sich im Vorstand des Verbands Österreichischer  Versicherungsmakler.

Stephan Mayer-Heinisch

Portrait Stephan Mayer-Heinisch

Präsident, Handelsverband, Wien
Vor der Gründung der S. Mayer-Heinisch Consult GmbH im Jahr 2005 war MayerHeinisch von 2001 bis 2005 Leiter der Konzernkommunikation der Leder & Schuh AG und von 1985 bis 2001 Geschäftsführer der Leder & Schuh-Töchter Humanic, Shoe 4 You, Dominici und Mega Socks. Zudem ist er Obmann des Austrian Council  of Shopping Centers und Präsident des Österreichischen Handelsverbands.

Manuel Prinz

Industry Principal Retail & Consumer Products, SAP Österreich GmbH, Wien
Nach seinem Studium der internationalen Betriebswirtschaft an der Wirtschafts- universität Wien begann Prinz seine Karriere als Retail Strategy Consultant in einer Unternehmensberatung. 2014 wechselte er zu SAP Österreich, wo er zunächst als Account Manager beschäftigt war. In seiner aktuellen Position berät Prinz als  Branchenspezialist österreichische Handelsunternehmen.

Dominik Rief

Country Manager Austria & Switzerland, Zalando SE, Berlin
Rief ist seit Juni 2011 bei Zalando und seit März 2012 Country Manager für Österreich und die Schweiz. Er studierte an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft und begleitete bereits die Einführung des Zalando-Shops für Österreich sowie den Markteintritt in die Schweiz.

Klaus Schaffer

Business Development & Product Manager, EDITEL Austria GmbH, Wien
Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre startete Schaffer seine Laufbahn 2004 bei SPAR Österreich zunächst als Trainee und wechselte später in die zentrale Einkaufsorganisation. 2008 übernahm er die Leitung der Abteilung Stammdaten & EDI. 2009 avancierte er zusätzlich zum stellvertretenden Bereichsleiter der zentralen Einkaufsorganisation. 2012 war er für Coca-Cola Hellenic tätig. Seit 2013 ist Schaffer bei EDITEL beschäftigt und berät Handels- und Industrieunternehmen.

Werner Schörkhuber

Werner Schörkhuber   Account Executive, T-Systems Austria GesmbH, Wien
Nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU Wien durchlief Schörkhuber  unterschiedliche Stationen bei T-Systems Austria. In den vergangenen acht Jahren  war er im Bereich Horizontal Solutions & Industry Leadership für Themen wie Big  Data und Enterprise Collaboration verantwortlich. Seit zwei Jahren verantwortet er in der aktuellen Position unter anderem den Vertrieb der Analytics-Lösung Motionlogic.

Max Schrems

Jurist, Autor, Datenschutzexperte und Gründer, europe-v-facebook.org, Wien
Schrems studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Er beschäftigt sich ausgiebig mit IT-Recht und Datenschutz. 2012 gründete er den Verein europe-v-facebook.org, um das soziale Netzwerk zu mehr Transparenz und einem verantwortungsvolleren Umgang mit den Daten seiner Nutzer zu bewegen.

Alexandra Vetrovsky-Brychta

Senior Managerin Dialog Marketing & Daten, HEROLD Business Data GmbH, Mödling
Vetrovsky-Brychta verantwortet bei HEROLD die Vermarktung von umfangreichen Multi-Channel-Lösungen. Darüber hinaus fungiert sie als Geschäftsführerin für die HEROLD Medien Data GmbH. Seit 2013 ist sie zudem Vorstandsmitglied des DMVÖ – Dialog Marketing Verband Österreich. Die Absolventin der FH für Marketing und Sales in Wien war zuvor als Geschäftsführerin der Schober Group Österreich tätig.

Ralph Wenzl

Data Scientist, Migros Genossenschafts-Bund, Zürich
Wenzl studierte an der Universität Konstanz Politik- und Verwaltungswissenschaften. Seinen Werdegang startete er als Projektleiter Statistik bei GfK Switzerland mit Fokus auf Methodenberatung und multivariaten Verfahren. Seit 2010 ist er als Data Analyst beim Migros Genossenschafts-Bund tätig. Zudem ist er Dozent an der Kalaidos-Fachhochschule in Zürich im Bereich Methoden/Statistik.

Nachbericht

Was ist eigentlich Big Data? 

Daniel Cronin, Vorstandsmitglied von AustrianStartups e.V. und Moderator des Kongresstages, bemühte Wikipedia: "Big Data sind Datenmengen, die zu groß oder zu komplex sind oder sich zu schnell verändern, um sie händisch auszuwerten." Ein weiterer Aspekt der sich wandelnden Begrifflichkeit: "Big Data ist ein Komplex an Technologien, die zum Auswerten der Daten verwendet werden." Big Data ist also ein Schlagwort mit vielen Definitionen, ein bisschen "Wilder Westen", so Cronin, ganz sicher aber herrscht "Goldgräberstimmung", denn jeder will diese Ader schürfen.

Muster statt Linearitis 

Eine ganz andere Definition von Big Data lieferte Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Big Data sei das Gegenmodell zur "Linearitis". Mit diesem Begriff beschreibt er den Irrglauben der Menschen, die Welt verändere sich linear, in der Zukunft würde alles so weitergehen wie bisher - nur mehr. Big Data hingegen sei der Versuch, in einer Riesenmenge an Daten Muster zu erkennen, die Logik hinter den keineswegs linearen Bewegungen der Welt und der Menschen zu verstehen. "Wenn ich diese Logik in einen Algorithmus übersetzen kann, dann kann ich die Zukunft prognostizieren." Und genau dabei geht es letztendlich: Darum, Vorhersagen zu treffen, Verhalten zu prognostizieren und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Königsdisziplin: Marktdaten und Prognosen 

Die Königsdisziplin von Big Data lautet: Predictive Analytics. Ziel aller Bemühungen ist es schließlich, bessere Entscheidungen zu treffen und einen Schritt voraus zu sein. Imposante Best Practices zeigen, dass dies schon heute möglich ist: Editel etwa befasst sich mit der Herausforderung, dass die meisten Out-of-Stock-Situationen ungenauen Verkaufsprognosen geschuldet sind. Das Unternehmen schafft mit seinen Lösungen für standardisierten Datenaustausch die Voraussetzungen für partnerschaftliche Prozesse zwischen Industrie und Handel, die Prognosen ermöglichen.

T-Mobile`s MotionLogic - Unbegrenzte Möglichkeiten für Standortplaner und Marketer 

Alexander Gänsdorfer, T-Mobile Austria GmbH, und Werner Schörkhuber, T-Systems Austria GesmbH, erlaubten uns einen Blick auf ihr neues Produkt MotionLogic. Durch die Verknüpfung der Bewegungsdaten aus dem Mobilfunknetz mit den CRM-Daten der Konsumenten, etwa Alter, Geschlecht, Vertragsdaten, die Rückschlüsse auf ihr Einkommen zulassen etc., entstehen sogenannte Heat Maps, die detaillierte Frequenzanalysen für beliebige Standorte erlauben - outdoor wie indoor. Die Möglichkeiten für Standortplaner und Marketer sind unbegrenzt.

Otto & Blue Yonder - Business Intelligence par excellence über die gesamte Wertschöpfungskette 

Geradezu meisterhaft geht auch die Otto Group mit ihren wöchentlich 300 Mio. Datensätzen um: Das Unternehmen arbeitet mit dem Business Intelligence Spezialisten Blue Yonder zusammen und setzt umfangreiche Datenanalysen für vielfältige Zwecke ein: Trends werden abgeleitet, Nachfrage- und Retourenprognosen erstellt, und die Systeme sind selbstlernend. "Wir optimieren sogar teilautomatisiert das Pricing und damit auch die Bestände, Umsatz und Rentabilität", erklärt Moritz Corbelin, Head of E-Commerce Strategy der Otto Group. Die Erfolge sind messbar: 40% verbesserte Prognosen, 5% weniger Retouren, bessere Margen, mehr Neukunden.

Maßgeschneiderte Angebote für die Masse 

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Big Data ist die Personalisierung. Migros in der Schweiz, HSE24 und stm (Société de transport de Montréal) haben eines gemeinsam: Sie alle investierten in die konsequente Datenintegration, um individuellere Kundenzugänge zu eröffnen und maßgeschneiderte, lokalisierte Angebote auszusprechen. Auch Zalando arbeitet am Prinzip "Curation", also daran, den Kunden individuell zu beraten, mittels Big Data: Personalisierte, dem Typ und früheren Kaufverhalten entsprechende Angebote werden dem Kunden ausgespielt - gemischt mit aktuellen Trends, damit man nicht im ewig Gleichen verharrt.

Big Data ist vor allem eines: Jede Menge Arbeit 

Nach all den schönen Cases holte Andreas Hladky, Gründer der point of origin, die Zuhörer wieder zurück auf den Teppich: Vor jedem Big Data Projekt steht die Qualität der Daten. Und das bedeutet vor allem eines: jede Menge Arbeit. Insbesondere dann, wenn Daten in historisch gewachsenen Alt- und Inselsystemen vorliegen. Ist die Qualität der Daten aber erst einmal sichergestellt und die Integration gelungen, dann gibt es fantastische Tools und fortschrittlichste semantische Analysen - um endlich zu wissen, welche Marketingmaßnahmen wirklich wirken.

Max Schrems: Die größte Lüge ist der "informierte Konsument" 

Über besondere Herausforderung in Sachen Datenschutz wurde zum Schluss auf dem Podium diskutiert: Auch wenn Personendaten durch Nummern ersetzt werden - in Big Data liegen so viele Puzzlestücke und Detailinformationen vor, dass es ein Leichtes ist, Rückschlüsse auf die einzelne Person zu ziehen. Anonymität ist nicht gegeben. Gleichzeitig beschäftigt das Thema den Konsumenten stark, und als Vertrauensfrage eben auch den Handel. "Die größte Lüge ist der informierte Konsument", erklärt Max Schrems, prominenter Facebook-Ankläger, und nimmt die Unternehmen in die Pflicht: "Oftmals liegt intern kein oder kaum Datenschutz-Know-how vor, aber man findet leicht Experten, die einem Rechtssicherheit garantieren." Alexandra Vetrovsky-Brychta, HEROLD Business Data, pflichtet bei: "Zu jedem Projektstart gehört eine gründliche Analyse - und dazu zählt eben auch der Legal Prozess". Auch für Andreas Krebs vom Versicherer GrECo sollten Datenschutzüberlegungen Teil eines soliden Risikomanagements sein. Florian Größwang von WEIN & CO fasst sehr treffend zusammen: "Die grundsätzliche gesellschaftliche Diskussion ist wichtig, denn sie wirkt auf das Bewusstsein der Konsumenten ebenso wie auf das der Unternehmen."

Kontakt

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Nina Rudelsdorfer
Event-Manager
nina.rudelsdorfer@handelsverband.at
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