• Lehrlinge im Handel

    frei[handels]zone - Wien, 8. April 2013

Lehrlinge im Handel - Verzweifelt gesucht!

Immer mehr Handelsunternehmen können ihren Bedarf an Lehrlingen nicht decken. Ursachen sind die oft mangelnde Attraktivität des Handels als Arbeitgeber, aber auch die sinkende Leistungsfähigkeit des Bildungssystems. Darüber, wie der Handel sein Potenzial als Ausbildner wieder voll ausschöpfen könnte und welche politischen Maßnahmen getroffen werden können, diskutierten Merkur-Vorstand Klaus POLLHAMMER, Bildungsexperte Ueli STURSBERG, Lehrer Nikolaus GLATTAUER und Bundesministerin Claudia SCHMIED im Rahmen der ersten frei[handels]zone, der unabhängigen Dialogplattform für den Handel, am 8. April im Handelsverband.

Abschließend bot sich für die über 50 Führungskräfte und CEOs aus dem Handel bei einem Cocktailempfang die Gelegenheit zu ausführlichem Networking. Diese nutzten unter anderem Doris Dobinger (Parfumerie Douglas GmbH), Sonja Marchhart (bauMax AG), Martin Kowatsch (Das Futterhaus Hhismark Pet Leo GmbH & Co KG), Paul Mailáth-Pokorny (Ehrenpräsident des Handelsverbands), Dieter Natlacen (Taylor Wessing e/n/w/c Rechtsanwälte GmbH) und Jörg Schielin (SPAR-Akademie Wien).

Sprecher

Nikolaus Glattauer

Autor, Kolumnist und Lehrer

Klaus Pollhammer

Mitglied des Vorstands, MERKUR Warenhandels AG

Claudia Schmied

Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur der Republik Österreich

Ueli Stursberg

Geschäftsführer, Branche Handel – Kaufmännische Grundbildung; 1. Sekretär, VSIG – Handel Schweiz

Laura Brunbauer

Senior Manager, Deloitte Consulting GmbH

Nachbericht

Die Lehre hat ein schlechtes Image
"Die Lehre hat ein schlechtes Image", stellte Klaus POLLHAMMER, Mitglied des Vorstands der MERKUR Warenhandels AG, zu Beginn der Veranstaltung in den Raum. Heute ist es schwer, gut ausgebildete Lehrlinge zu finden. Viele Fähigkeiten, die für die Absolvierung einer Lehre maßgeblich sind, werden heute in der Schule nicht mehr ausreichend vermittelt. Nikolaus GLATTAUER, Autor, Kolumnist und Lehrer, antwortete offensiv: "Warum die notwendigen Fähigkeiten heute nicht vermittelt werden können, liegt auf der Hand: Die Anforderungen sind heute viel höher als noch vor wenigen Jahren. Außerdem beherrschen zu wenige Auszubildende gut genug die deutsche Sprache, um eine Lehre machen zu können. Das Dilemma ist: Die Hauptschule kann den Anforderungen, die das Berufsleben stellt, derzeit nicht gerecht werden", erläuterte er aus Sicht des Lehrers. Außerdem kritisierte er die einwöchigen Schnupperwochen der Betriebe, in denen die Lehrlinge in den Supermärkten lediglich Regale schlichten, und die Entlohnung in Handelsberufen: "Die Löhne im Handel sind erschreckend gering." 

Zu wenige Lehrlinge bringen die notwendigen Kompetenzen mit
"Auch wenn der Handel rasche Aufstiegsmöglichkeiten, zum Teil auch durch Positionen mit Budget- und Führungsverantwortung, bietet, gibt es nur wenige, die die erwünschten Anforderungen mitbringen", beklagte Pollhammer. Auf die Frage, was den`idealen Lehrling` ausmacht, antwortete er: "Dieser muss einen gewissen Grad an Reife und Interesse am Beruf mitbringen. Zudem braucht er den Willen, sich laufend weiterzubilden. Und das Bildungs- und Sozialsystem fördert diese Kompetenzen bei den meisten Auszubildenden nicht."

Die Macht der Herkunft muss zurückgehen: Dringende Verbesserung der Sprachkenntnisse
Claudia SCHMIED, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur der Republik Österreich, führte die angespannte Lage in der Pflichtschulbildung darauf zurück, dass sich die Zusammensetzung der Gesellschaft radikal gewandelt hat: 50 Prozent der Volksschulkinder leben in Familien, in denen zuhause nicht Deutsch gesprochen wird. "Es kann nicht sein, dass junge Menschen die hier leben und arbeiten, die deutsche Sprache nicht beherrschen. Sprachkompetenz ist die Voraussetzung für Bildungserfolg auf allen Ebenen", plädierte Schmied für bessere Sprachkenntnisse von Jugendlichen. 

Motivation, Wertschätzung und Talentförderung Jugendlicher
Zur Frage, wie die Lehre im Handel verbessert werden kann, präsentierte Schmied konkrete Ideen: "Die Grundkompetenzen, Lesen, Schreiben und Rechnen, müssen von Anfang an noch stärker gefördert werden. Auch die Ausbildung in der Polytechnischen Schule muss verbessert werden. Es fehlt der Jugend an Motivation und der richtigen Einstellung zu Arbeit und Bildung. Wertschätzung und Talentförderung sind enorm wichtig, um die Jugendlichen voranzubringen."Auch die Module zur Persönlichkeitsbildung, Bestandteil der neuen Lehrerausbildung, sollen hier Abhilfe schaffen. 

Jungen mehr Erfolgserlebnisse zugestehen
"Bildung ist der Weg zum Erfolg", ist Ueli STURSBERG, Geschäftsführer, Branche Handel Kaufmännische Grundbildung; 1. Sekretär, VSIG -Handel Schweiz, überzeugt. "Heute sind die Auszubildenden weniger belastbar und haben zum Teil große Lücken in den Sozialkompetenzen. Die Jungen überschreiten oft Verhaltensgrenzen. In solchen Fällen muss der Arbeitgeber durchgreifen und entsprechende Sanktionen durchführen, denn die Jugendlichen müssen sich der Konsequenzen bewusst werden. Vor allem aber ist wichtig, dass den Jungen Aufgaben gegeben werden, durch die sie Erfolgserlebnisse erfahren."
Der Handel ist mit fast 26.000 Lehrlingen einer der größten Lehrlingsausbildner. Viele unserer Mitglieder suchen verzweifelt Lehrlinge, finden aber nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte. Daher wollten wir uns diesem wichtigen Thema nähern und herausfinden, wie der Handel sein Potenzial als Ausbildner wieder voll ausschöpfen kann, kommentierte Patricia MUSSI, Geschäftsführerin des Handelsverbands, den Anlass der Veranstaltung. Laura BRUNBAUER, Senior Manager bei Deloitte Consulting GmbH führte charmant durch den Abend.

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Event-Manager
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