• Energie in der Krise?

    frei[handels]zone - Wien, 11. Juni 2014

"Energiewende ja, aber bitte richtig!"

Die Ressourcen werden knapp, zudem erschweren geopolitische Entwicklungen den Zugang zu Energie. Die Versorgung wird unsicherer, und vieles spricht für eine spürbare Verteuerung. Seit Jahren propagieren Experten die Wende von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Und ein umstrittenes Energieeffizienzgesetz soll diese Umstellung nun vorantreiben. Wo kommt Energie in Zukunft her? Über diese Frage diskutierten hochkarätige Vertreter aus Energieversorgung, Forschung, Industrie und Handel im Rahmen der frei[handels]zone zum Thema "Energie in der Krise?" am 11. Juni im Handelsverband. Fazit: Die Wende muss kommen, aber bitte richtig!

Durch die Veranstaltung führte mit großer Sachkompetenz, Humor und einer Prise Sarkasmus Michael Fleischhacker, Projektleiter Österreich der Neuen Zürcher Zeitung. Der Einladung in den Handelsverband folgten unter anderem Rudolf Heybey (dm drogerie markt), Jörg Bitzer (EHL Immobilien) und Simon Niederkircher (oekostrom). Abschließend bot sich bei einem Cocktailempfang die Gelegenheit zu ausführlichem Networking.

Sponsoren

Sprecher

Michael Fleischhacker

Projektleiter Österreich, Neue Zürcher Zeitung AG

Gerald Geiger

Leiter der Abteilung Bau/Energie/Technik, SPAR Österreich Warenhandels-AG

Wolfgang Hribernik

Head of Business Unit, Electric Energy Systems, AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Dieter Drexel

Stv. Bereichsleiter Ressourcen & Infrastruktur (RI); Umweltpolitik; Klimaschutz; Kyoto

Franz Benedikt Zöchbauer

Leiter, Public Affairs, Verbund AG

Paul Lensing

Nachhaltigkeitsbeauftragter, CBRE Global Investors

Nachbericht

Nachhaltigkeit auf den Agenden aller Unternehmen und Branchen 
Mit der Forderung nach einer "fundamentalen Umgestaltung der Energie-Infrastruktur", eröffnete Wolfgang Hribernik, Head der Business Unit Electric Energy Systems im Forschungsinstitut AIT, die Podiumsdiskussion. Und auch die anderen Experten aus Energieversorgung, Finanzwelt, Industrie und Handel wussten: Will man den EU-Fahrplan 2020 einhalten, gilt es rasch zu "dekarbonisieren" - zum Wohle des Planeten und im Sinne nachhaltigen Handelns. SPAR Österreich etwa agiert schon seit Jahren nachhaltig: Die Energieeffizienz sämtlicher Geräte, Beleuchtung und Prozesse hat oberste Priorität; 90 Prozent des Energiebedarfs wird durch saubere Wasserkraft gedeckt; und auf elf Gebäuden des Unternehmens befinden sich moderne Fotovoltaik-Anlagen, erläuterte Gerald Geiger, Leiter der Abteilung Bau/Energie/Technik bei SPAR. Auch die Verbund AG positioniert sich "grün" und investiert laut Franz Benedikt Zöchbauer, Leiter Public Affairs, nur noch in erneuerbare Energien. Und sogar im Immobilien Investment setzt man vorzugsweise auf "Green Buildings", also energieeffiziente Gebäude, berichtete Paul Lensing, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei CBRE Global Investors.

Die Kehrseite der Medaille: Planungsunsicherheit gefährdet Wirtschaftsstandort Österreich
Für energieintensive Produktionsbranchen wie etwa die Stahlindustrie ist der grüne Weg nicht ganz so einfach: Die Regelungen zum Emissionshandel schaffen Planungssicherheit nur bis zum Jahr 2019. "Die voestalpine etwa emittiert derzeit etwa 10 Mio. Tonnen CO2. Sollte das Unternehmen ab 2019 die Emissionen zu mindestens fünf Euro je Tonne erwerben müssen, belasten plötzlich 50 Mio. Euro die Bilanz", erläuterte Dieter Drexel, stellvertretender Bereichsleiter Ressourcen & Infrastruktur der Industriellenvereinigung - "und der Preis könnte auch auf 10 oder 20 Euro pro Tonne steigen". Und auch weitere politische Werkzeuge wie Energieeffizienzgesetz, Steuerrichtlinien und Förderungen für erneuerbare Energien schaffen ein komplexes Gefüge von Hebeln, das für die Marktteilnehmer Intransparenz und Planungsunsicherheiten bringt; und für den Wirtschaftsstandort Österreich letztlich deutliche Nachteile. "Wir sprechen uns keinesfalls gegen die Energiewende aus, ganz im Gegenteil, wir brauchen Zielsetzungen für 2020 und darüber hinaus. Aber ebenso dringend brauchen wir politische Rahmenbedingungen, die den Standort- und Arbeitsplatzerhalt auch in Zeiten der Energiewende für alle Branchen ermöglichen", so Drexel weiter.

Energiewende als Chance 
Andererseits sieht Drexel durchaus Chancen für die Industrie: "Irgendwer muss die Windraderl und Elektroautos ja bauen." Und würde lokal mehr in Bildung und Forschung investiert, so Drexel weiter, dann bestünde Hoffnung, dass das "Energie-Google", also das Unternehmen, das den Energiesektor so revolutionieren wird, wie es Google für das Internet geschafft hat, eines Tages aus Europa kommt. 

Faktor Mensch. Oder: Renditensicherheit durch Nachhaltigkeit. 
Ein Blick auf die Gründe der einzelnen Unternehmen, im Energiebereich auf Nachhaltigkeit zu setzen, macht schnell deutlich: Profit ist der Motor. Die Verbund AG rechnet langfristig mit einer höheren Rentabilität der erneuerbaren Energien im Vergleich etwa zu den derzeit ohnehin - mangels Rentabilität - stillgelegten Gaskraftwerken. SPAR kalkuliert mit Einsparungen in den Energiekosten und Imagegewinn beim Kunden. Und "Green Buildings" stellen gegenüber "alten" Bauten einfach ein sichereres Investment dar und lassen sich leichter vermieten, insbesondere in gesättigten oder schwachen Märkten. "Natürlich steht für Investoren die Rendite im Vordergrund. Aber heute zählt weniger die Höhe der Rendite als ihre langfristige Sicherheit", so Paul Lensing, Experte für nachhaltige Investments.

Fazit: Die Energiewende machen Mensch und Politik
Österreich, Europa und die Welt brauchen die Energiewende, darin waren sich alle Diskutanten einig. Wie der Wandel zu vollziehen sein wird, darüber war man uneins. Die Vorschläge aus dem Publikum reichten von "Markt frei und Schluss mit Subventionen", über "Bildung und Umerziehung des Menschen im Sinne der Nachhaltigkeit", bis hin zur "künstlichen Verzehnfachung des Energiepreises". Klar ist: Die Politik ist in der Pflicht, hat aber beileibe kein leichtes Spiel. Wie jeder Umbruch wird auch dieser von Schmerzen begleitet sein, und es wird Gewinner und Verlierer geben.

Impressionen

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