• Tag des Handels 2018

    27. September, 13.00 - 18.00 Uhr, Wien

TAG DES HANDELS 2018

Handelsverband holt Bundesministerin Elisabeth Köstinger und viele weitere Top-ExpertInnen aus Handel, Logistik, Forschung, Landwirtschaft und der FMCG-Branche in die Wiener Albert Hall

Fläche ist König, der Großteil der Handelsumsätze wird auch im Zeitalter der Digitalisierung stationär erzielt. Die Umsetzung erfolgreicher Omnichannel-Strategien bedingt heute Customer Centricity auf allen Kanälen und nahtlos integrierte Logistikprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Konsument erwartet sofortige Warenverfügbarkeit, Top-Beratung, günstige Preise und eine perfekte Servicierung auf sämtlichen Touchpoints. Damit steigt auch die Komplexität auf der Fläche.

Hochfrequentierte Lagen, innovative Lösungen am Point of Sale, smarte Logistk und nicht zuletzt der Faktor Mensch sind heute die entscheidenden Erfolgsfaktoren im Handel. Aber welche Standorte haben in Österreich die Nase vorn? Wie sieht die Neuerfindung des Lebensmitteleinzelhandels aus und was sind die unsichtbaren Kosten der Raumordnung? Wo liegen die Potenziale in der Zusammenarbeit zwischen LEH und Landwirtschaft? Warum setzen immer mehr Produzenten und FMCG-Player auf den Direktvertrieb? Mit welchen Filialstrategien punkten die internationalen Retail-Giganten? Und was verbirgt sich wirklich hinter dem Schlagwort Logistik 4.0?

All diese Fragen werden beim legendären "Tag des Handels" des Handelsverbandes in der Wiener Albert Hall beantwortet. Die bereits 14. Ausgabe des wichtigsten österreichischen Kongresses für den statinären Handel und die FMCG-Branche präsentiert den hochkarätigen TeilnehmerInnen nicht nur die neusten Trends und Entwicklungen rund um Standort, POS, Logistik, Regulatorik und Landwirtschaft, sondern sucht auch den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft auf Vorstandsebene. Sichern Sie sich Ihren persönlichen Informationsvorsprung mit Ihrer Teilnahme am 27. September!

Anmeldung

  • Mitglied und Partner des Handelsverbandes sowie des EHI: EUR 148,- (Early Bird* EUR 118,-)
  • Andere Unternehmen: EUR 299,- (Early Bird* EUR 239,-)
  • Studenten: EUR 50,- (Kontingent begrenzt)

* Early Bird gilt bis 24. August 2018.

Alle Preise verstehen sich pro Person und exkl. USt.

Stornierungen können ausschließlich schriftlich entgegengenommen werden. Bitte beachten Sie, dass bei einer Stornierung nach dem 30.08.2018 der gesamte Konferenzbetrag in Rechnung gestellt werden muss.

Tickets SOT2018

Bitte füllen sie zur Anmeldung nachstehendes Formular aus.

Sprecher

Elisabeth Köstinger

Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus

Elisabeth Köstinger ist seit Dezember 2017 Mitglied der österreichischen Bundesregierung und seit Jänner 2018 Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. Seit 2009 fungiert sie auch als Vizepräsidentin des Österreichischen Bauernbundes und seit 2015 als Vizepräsidentin der Politischen Akademie der österreichischen Volkspartei. Darüber hinaus war die gebürtige Kärntnerin von 2009 bis 2017 Abgeordnete im EU-Parlament und von 2014 bis 2017 Bundesparteiobmann-Stellvertreterin der ÖVP.

Frank Hensel

Vizepräsident, Handelsverband

Frank Hensel war ab 2005 im Vorstand bei REWE, 2008 übernahm er die Funktion des Vorstandsvorsitzenden. Nach beruflichen Stationen bei Nestlé und SPAR begann er 1999 seine berufliche Laufbahn bei der REWE Group im internationalen Bereich bei der REWE Zentral. Ein Jahr darauf übernahm er die Position des Geschäftsführers REWE Ungarn, 2002 wurde ihm die Funktion des Vorstandsmitglieds bei BILLA für den Bereich Vollsortiment Italien übertragen. Allein in Österreich schuf die REWE Group unter Führung von Hensel über 10.000 neue Arbeitsplätze und investierte 2,5 Milliarden Euro.

Gabriele Jiresch

Gründerin, retail Report

Nach dem Studium der Politikwissenschaften und Publizistik/Geschichte war Gabriele Jiresch als Fachredakteurin im Bohmann-Verlag sowie als Event- und Marketingleiterin bei Hübner & Hübner tätig. 1998 begann sie ihre Karriere im Wirtschaftsverlag, wo sie mehr als 15 Jahre lang als Chefredakteurin für die Handelszeitung verantwortlich zeichnete. Heute leitet Jiresch die Online-Plattformen retail Report und product Report.

Hannes Lindner

Geschäftsführer, Standort + Markt

Lindner ist seit 1998 geschäftsführender Gesellschafter von Standort + Markt. Er studierte Betriebswirtschaft und Marketing in Wien, danach widmete er sich der Standortoptimierung internationaler Filialnetze sowie der standorttechnischen Beurteilung von Handelsimmobilien. Lindner sieht sich als analytisches und kommunikatives Bindeglied zwischen der Handelslandschaft und der Immobilienwelt.

Stephan Mayer-Heinisch

Portrait Stephan Mayer-Heinisch

Präsident, Handelsverband
Vor der Gründung von S. Mayer-Heinisch Consult 2005 war Mayer-Heinisch von 2001 bis 2005 Leiter der Konzernkommunikation bei Leder & Schuh und von 1985 bis 2001 Geschäftsführer der Leder & Schuh-Töchter Humanic, Shoe4You, Dominici und Mega Socks. Zudem ist er Obmann des Austrian Council of Shopping Centers und Präsident des Österreichischen Handelsverbands.

Michael Mayrhofer

Universitätsprofessor, Johannes Kepler Universität Linz

Prof. Dr. Michael Mayrhofer ist Universitätsprofessor für Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht an der JKU Linz, sowie Leiter der Abteilung für Technikrecht und Vorsitzender des Senats der JKU Linz. Darüber hinaus fungiert er als Leiter der Österreichischen Akademie der Verwaltungsgerichtsbarkeit und ist Mitglied der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt. Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere wurden ihm u.a. der Erwin Wenzl Preis (2003), der Kardinal-Innitzer-Förderungspreis (2015) sowie der Leopold Kunschak-Wissenschaftspreis (2016) verliehen.

Hannes Royer

Gründer und Obmann, Land schafft Leben

Der Schladminger Bauer und Unternehmer Hannes Royer ist Initiator, Gründer, Sprecher und Obmann der unabhängigen Initiative "Land schafft Leben". Der geborene Kommunikator weicht die oft verhärteten Fronten zwischen den Branchen in der Wertschöpfungskette auf und bringt Bauern, Verarbeiter, Händler und Konsumenten an einen Tisch – und das wortwörtlich. Land schafft Leben ist den heimischen Lebensmitteln auf der Spur und zeigt den Konsumenten transparent und ohne zu werten, wie in Österreich Lebensmittel produziert werden, wie die Produktion vor Ort beim Bauern erfolgt, wie die Verarbeitung funktioniert und wie das fertige Produkt schließlich im Lebensmittelhandel landet.

Friedrich Schneider

Universitätsprofessor, Johannes Kepler Universität Linz

Prof. DDr. Friedrich Schneider ist Professor of Economics an der JKU Linz und gilt als einer der führenden Volkswirtschaftsexperten Österreichs. Der gebürtige Deutsche lehrte bereits an renommierten Universitäten in Europa, Amerika und Australien. In der Forschung befasst er sich mit der ökonomischen Theorie der Politik, Finanzwissenschaft, Wirtschafts-, Umwelt- und Agrarpolitik. Er gilt als Fachmann für die Forschungsdisziplinen Schattenwirtschaft, Steuerhinterziehung und organisierte Kriminalität sowie in der Umweltökonomie.

Rainer Will

Geschäftsführer, Handelsverband

Seit 2014 zeichnet Will als Geschäftsführer des Handelsverbandes und Herausgeber des Branchenmagazins RETAIL verantwortlich. Er ist u.a. im Board of Directors bei EMOTA sowie Beirat der FH St. Pölten, der DMX Austria und des Swiss Import Promotion Programms. Davor war Will im Kabinett des Wirtschaftsministers in den Bereichen Unternehmensfinanzierung, Innovation und Technologie beschäftigt, nachdem er fünf Jahre lang strategische und operative Funktionen beim Austria Wirtschaftsservice (aws) innehatte. Will studierte berufsbegleitend Betriebswirtschaft an der WU Wien und der London School of Economics.

Medienpartner

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Anfahrt

Albert Hall
Albertgasse 35, 1080 Wien

Mit dem PKW:
Nutzen Sie bei Anreise mit dem PKW die hauseigene Parkgarage (bei Verfügbarkeit), die gegenüberliegende öffentliche Hamerlingplatz-Tiefgarage oder eine der anderen öffentlichen Parkgaragen in Gehweite. 

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:
Linie U6 bist Station Josefstädterstraße: 5 Gehminuten
Linie U2 bis Station Rathaus: 10 Gehminuten
Linien 2, 5, 33 und 13A: Vor dem Haus

Nachbericht 2017

Der Markt verändert sich disruptiv

„Fläche ist König, auch im Zeitalter der Digitalisierung. Rund 90 Prozent der Handelsumsätze werden nach wie vor stationär erzielt. Aber mehr als die Hälfte aller Einkäufe sind mittlerweile digital beeinflusst“, so leitete Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des österreichischen Handelsverbands den 13. Standorttag ein, der mit mehr als 100 Besuchern an den Erfolg der letzten Jahre anknüpfte. „Der Markt verändert sich disruptiv. Minus 100.000m² bei der Verkaufsfläche allein im letzten Jahr. Verantwortliche Manager und Politiker müssen darauf reagieren“, so Mayer-Heinisch weiter. „Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft, um neue Strategien zu entwickeln und neue Wege zu gehen.“

Raus aus der Komfortzone

Extremsportler Wolfgang Fasching, 3-maliger Gewinner des Race Across Amerika (RAAM) und Besteiger des Mount Everest, referierte in seiner Key Note unter dem Motto "Du schaffst, was du willst" über die Bedeutung von Mut und Leidenschaft für das Erreichen großartiger Erfolge. „Es gibt zwei Typen von Menschen: Jene, die nur ‚überleben’ wollen, und jene, die ‚erleben’ wollen. Letztere gehen bewusst raus aus der eigenen Komfortzone und haben den Mut, neue Dinge auszuprobieren, sich selbst treu zu sein und nicht immer den Erwartungen anderer zu entsprechen. Die großen Errungenschaften passieren i.d.R. nicht in der Komfortzone“, so der Motivationstrainer. „Bleiben Sie nicht stehen, sondern entwickeln Sie sich permanent weiter. Weniger ist mehr als nichts“, appellierte Fasching an das Publikum. Das Entscheidende: Nicht nur reden, auch tun!

Wir brauchen mehr Gleichheit

„Gute Konjunktur, ausgezeichnete Konsumentenstimmung – beste Aussichten also für den österreichischen Handel, wenngleich die Dynamic in den nächsten Jahren wieder etwas abnehmen wird“, so die Einschätzung von Stefan Bruckbauer. Der Chefökonom der UniCredit Bank Austria begeisterte die Zuhörer mit lehrreichen Statistiken, glasklaren, kurzweiligen Analysen und seinem Plädoyer für eine gerechtere Gesellschaft mit einer möglichst fairen Einkommensverteilung: „Je ungleicher die Einkommensverteilung, desto geringer das Wirtschafswachstum.“ Bruckbauer geizte nicht mit Lob an der heimischen Politik der vergangenen zwei Jahre, insbesondere die jüngste Steuerreform habe viel gebracht. Auch die staatliche Umverteilung von oben nach unten funktioniere in Österreich vergleichsweise gut.

Auf der Fläche braucht es Magic Moments

"Zwei Querköpfe im fordernden Dialog" – so wurde der Fireside Chat zwischen Christoph Bründl, Geschäftsführender Gesellschafter von Sport Bründl, und Erich Schönleitner, Eigentümer und geschäftsführender Gesellschafter von DreamTeam, angekündigt. Die beiden Branchenkenner erfüllten die hohen Erwartungen mit Bravour und diskutierten leidenschaftlich ihre gemeinsame Vision einer dynamischen, möglichst innovativen Unternehmenskultur.

Christoph Bründl identifizierte Logistik und Fläche als die beiden Kernprozesse im stationären Handel. „Wir sind überzeugt davon, dass die Menschen im Handel auch in Zukunft von Menschen kaufen wollen. Es müssen aber besondere Menschen sein. Denn auf der Fläche braucht es heute Magic Moments. Der entscheidende Moment ist, wenn der Käufer im Laden erstmals auf den Verkäufer trifft“, erklärte der Unternehmer. „Die größte Herausforderung liegt für uns Händler darin, besondere Mitarbeiter zu finden – die allerbesten – und diese zu entwickeln. Das ist für den Erfolg ganz entscheidend. Daher ist Rekrutierung bei uns die Königsdisziplin“, so Bründl.

Auch Erich Schönleitner betonte die Bedeutung von Magic Moments im Handel. „Man muss die gewöhnlichen Dinge einfach außergewöhnlich gut machen“, lautet sein ebenso simples wie einprägsames Erfolgsrezept. Seine Prognose zur Zukunft des stationären Handels: „Die Handelsformate werden sich radikal verändern. Stimmungsmanagement und Entertainment werden auf der Fläche immer wichtiger. Und auch hybride Lösungen werden kommen, analog zu Google und Walmart in den USA.“

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

Einen weiteren Programmhöhepunkt bildete die Best Practice Präsentation von Dieter Wasserburger, Leiter des Konzernbereichs Immobilien und Expansion von REWE. Wasserburger gab einen spannenden Einblick in die Expansionsstrategie von REWE, bei der nach wie vor kein Ende in Sicht ist. Allein Billa expandiert jährlich um 6 Filialen und bespielt aktuell österreichweit 1060 Filialen. Das Credo von Wasserburger: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Expansion ist die Grundlage für Innovation.“ Der Fokus liegt mittlerweile nicht mehr auf quantitativer, sondern auf qualitativer Expansion – alte Filialen sollen sukzessive erneuert bzw. ersetzt werden. „Österreich wird 2030 rund 9,4 Mio. Einwohner haben, v.a. die Städte wachsen. Das gilt es bei der Expansionsstrategie zu berücksichtigen. Wir müssen also heute schon an die Lösungen von morgen denken“, wies Wasserburger auch auf die Bedeutung des demographischen Wandels hin.

Transform or Die

Parallel dazu beschäftigten sich Nordal Cavadini und Jens von Wedel vom Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman in ihrer Break Out Session mit der Digitalisierung im Speditionsgeschäft. Exakte Forecasts durch Machine Learning, flexibles Routing, smarte Instore Logisitk – die neuen Möglichkeiten scheinen fast grenzenlos. Kein kleines Projekt, aber ein eiliges, denn Effizienzsteigerung und Kostenreduktion im Handel gehen künftig kaum noch ohne digitale Supply Chain, so das Fazit der beiden Berater. Ganz nach dem Motto: „Transform or Die“.

Jeder Leerstand ist eine Chance, Fläche neu zu nutzen

Welche heimischen Lagen haben Zukunft? Diese Frage stand im Zentrum einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion, bestehend aus Hania Bomba (RegioPlan), Hannes Lindner (Standort + Markt), Michael Oberweger (Comfort) und Dieter Wasserburger (REWE).

Hania Bomba erklärte die Hauptgründe für die Insolvenz von Toys’R’Us: „Wir haben im Spielwarenbereich hohe Online-Umsätze, zusätzlich werden die Umsätze von anderen Branchen angeknabbert. Es gibt hier eine zunehmende Durchmischung, denn jeder Händler will wachsen. Auch Produzenten gehen zunehmend selbst in den Handel und verkaufen direkt. Hier kommen also viele Faktoren zusammen.“ Über die wichtigsten Ingredienzen für einen erfolgreichen Markenauftritt – Identität, Botschaft, Kontext, Inspieration, Ehrlichkeit und Authentizität – sprach die Geschäftsführerin von RegioPlan später noch im Rahmen einer eigenen Break Out Session. „Es gibt in vielen Städte in Österreich viele nette Ideen, aber nirgendwo ein gesamtheitliches Konzept. Dabei wäre das der erste entscheidende Schritt“, so Bomba.

Hannes Lindner zeigte sich überzeugt, dass der Kahlschlag bei vielen angeschlagenen heimischen Einkaufsstraßen bereits vollzogen sei. Als zentrale Erfolgsfaktoren einer Einkaufsstraße identifizierte er „ein integriertes Einkaufsziel, den Umfang des Angebots, das Einzugsgebiet sowie die Erreichbarkeit mit Individual- und öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Michael Oberweger wiederum erläuterte seine Wahrnehmung einer Veränderung der Funktion klassischer Einkaufsstraßen, etwa der Mariahilfer Straße in Wien. Diese habe sich seit der Umwandlung in eine Begegnungszone stark gewandelt, mittlerweile zwar wieder sehr hohe Frequenzen, doch die Kundschaft und deren Kaufkraft habe sich fundamental verändert. „Jeder Leerstand ist für Händler auch eine Chance, Fläche neu zu nutzen. Entscheidend ist, am richtigen Standort das richtige Angebot zu machen“, gab der Experte den Gästen als Tipp mit auf den Weg.

„Was früher funktioniert hat, muss heute nicht mehr funktionieren, weil sich die Kundeninteressen gewandelt haben“, meinte Dieter Wasserburger, „wir haben Kunden, die im Ortskern einkaufen wollen, und Kunden, die am Ortsrand einkaufen wollen. Daher gehen wir am liebsten dorthin, wo einfach die Frequenz und auch die Erreichbarkeit gut ist.“ Das Shopping-Konzept am Wiener Hauptbahnhof bewertet er als „nicht ideal, auch weil die Händler bei der Konzeption nicht einbezogen wurden. Die Frequenz dort ist top, aber die Mieten sind einfach sehr hoch.“

Pacht ist ein Schuss ins Knie

Das komplexe Thema Mietrecht stand im Fokus der Deep Dive Einheit von Andreas Vonklich, Professor am Institut für Zivilrecht der Universität Innsbruck. Der Rechtsexperte erklärte den Unterschied zwischen Miet- und Pachtverträgen, und warum letztere für Handelsunternehmen durchaus problematisch sein können. „Pacht ist quasi ein Schuss ins Knie!“, so seine Einschätzung, „doch in der Realität ist auch dort, wo Pacht drauf steht, eigentlich Miete drinnen. Glauben Sie also nicht alles, was der Vertrag bzw. die Abrechnung hergibt.“ In der anschließenden Break Out Session konnten sich interessierte Besucher mit Andreas Vonklich nochmals im Detail über den Paragrafen 12a MRG (Anhebung der Miethöhe auf das aktuelle Mietniveau) und die Problematiken bei der Ablöse von Geschäftsgebäuden unterhalten.

Stirbt der Einzelhandel?

Im Best Practice Vortrag "Schöne Neue Handelswelt – wer braucht noch Innenstädte?" behandelte Omnichannel-Pionier Martin Zieger u.a. den von Multimilliardär Waren Buffet bereits angekündigten Death of Retail. In den USA drohe der Einzelhandel mittelfristig auszusterben, denn Händler wie RadioShack schließen seit Jahren immer mehr Filialen. „Toys’R’Us ist die fünftgrößte Retail-Insolvenz in der Geschichte. Auch in Österreich geht die Zahl der Filialen im Einzelhandel seit 2013 permanent zurück, das ist ein Trend. Dafür steigt die Verkaufsflächenproduktivität, die einzelnen Standorte haben also immer größere Flächen“, mahnte der Branchenkenner. „Die nächsten zehn Jahre werden mehr Veränderung im Handel in den Innenstädten bringen als die letzten 40 Jahre. Ich gehe davon aus, dass im LEH ein Drittel bis die Hälfte der stationären Filialen geschlossen wird“, so Zieger. Die Gründe? Offline sei nicht bequem genug und die Öffnungszeiten ebenfalls hinderlich.

Logistik als Erfolgsfaktor

Im Anschluss referierte Petra Dobrocka, Mitgründerin des Logistik-Startups byrd, in ihrer Innovation Session über die Logistik als Erfolgsfaktor im E-Commerce. Transparenz und Convenience seien heute entscheidend, um die wachsenden Kundenanforderungen bestmöglich zu erfüllen. „Tracking ist bereits Standard. Auch Optionen wie Zustellung zum Nachbarn werden bereits aktiv angeboten, was die Kundenwahrnehmung verbessert“, so die junge Gründerin, „Logistik & E-Commerce ändern sich ständig, täglich kommen neue Möglichkeiten hinzu. Daher muss das eigene Setup permanent überprüft und gegebenenfalls erweitert werden.“

Das Death Valley of Science

Martin Posset, Mastermind von thinkport Vienna, widmete seine Innovation Session dem sog. Death Valley of Science und damit der Frage, wie neue Entwicklungen im Logistikbereich bestmöglich und praxisnah getestet und weiterentwickelt werden können. Thinkport Vienna ist ein urbanes Mobilitätslabor mit der Aufgabe, güterlogistische Innovationen in Wien zu entwickeln und umzusetzen. „Wir sehen uns als Logistikbotschafter, um das Thema Logistik in die Köpfe in die Menschen zu bringen. Wir haben nicht das Geld, aber das Netzwerk. Wir sind kein Inkubator, sondern ein Innovation Hub. Und wir wollen eine neue Innovationskultur in Österreich schaffen“, erklärte Posset die ambitionierten Ziele seines Projekts.

Handel schafft Entwicklung

Den Abschluss der Innovation Sessions bildete Laura Lennkh vom Handelsverband mit Ihrer Vorstellung von Import Austria – einem Kooperationsprojekt von Handelsverband und Austrian Development Agency (ADA). Lennkh präsentierte zwei kürzlich veröffentlichte Studien über den Mehrwert von Import Austria für den Handel bzw. über die Chancen für Sourcing aus Österreich. „Wir wollen als Plattform einerseits österreichischen Importeuren bei Beschaffungsengpässen und Import-verbundenen Bedürfnissen helfen, und andererseits die Partnerländer bei der Wirtschaftsentwicklung in ihrer Exportstrategie unterstützen.“ Ihre Vision: „Handel schafft Entwicklung!“

Urban Logistics: Wird Wien zur Smart City?

Über den aktuellen Status des Trendthemas Urban Logistics diskutierte eine hochkarätige Runde, bestehend aus Peter Umundum (Österreichische Post), Davor Sertic (Unitcargo/WKO) und Georg Hauger (TU Wien).

„Entscheidend ist das Vertrauensverhältnis zum Kunden. Jedes zweite Paket im E-Commerce kommt aus dem Ausland. Wir müssen also den österreichischen Handel stärken und auch die Fulfillment-Center nach Österreich holen. Das ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern Aufgabe von uns allen“, appellierte Peter Umundum an die Zuhörer. „Die Post ist ständig im Wandel. Wir sind Marktführer und wollen das auch bleiben. Daher sind Innovationen für uns ganz wichtig. Wir haben bereits Drohnen getestet, glauben aber nicht an eine Massenzustellung durch Drohnen. Ganz anders sieht es mit den Einsatzgebieten für autonomes Zustellen aus, hier rechne ich fix damit, dass das in den nächsten 5 Jahren kommen wird“, so der Post-Vorstand für Paket & Logistik.

Aktuell keinen hohen Leidensdruck attestierte Georg Hauger, Experte für Verkehrssystemplanung, den heimischen Großstädten. „Handel und Logistik sind hier vorne dabei. Als Stadt- oder Verkehrsplaner wissen wir allerdings nicht gesamthaft, was in der Stadt passiert. Wir bräuchten eigentlich viel mehr Zahlen, Daten, Fakten. Daher wird schon die Diagnose schwierig, von der Therapie ganz zu schweigen.“ Die vielerorts geäußerte Kritik an der österreichischen Bürokratie sowie an den strengen Rahmenbedingungen und Vorgaben kann Hauger nicht ganz nachvollziehen: „Ich glaube aber, dass diese Rahmenbedingungen seitens der Politik durchaus notwendig sind. Wichtig ist nur, dass sie verlässlich und lange im Voraus kommuniziert werden. Es geht um Vertrauen.“

„Der Kunde will’s einfach günstig, schnell und wenn möglich sozial/ökologisch verträglich, ansonsten interessiert ihn die Logistik nicht groß“, meinte Davor Sertic, Gründer und Geschäftsführer von Unitcargo. Der Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien nannte Stockholm als Best Practice Vorbild: „die haben einen Stadtentwicklungsplan für die nächsten 30 Jahre entwickelt zum ‚Schutz gegen die Politik’. Sowas brauchen wir auch in Wien, eine der am schnellsten wachsenden Städte Europas.“

Massives Einsparpotenzial durch effiziente Transportorganisation

Den krönenden Abschluss eines ebenso spannenden wie intensiven Standorttages 2017 bildete die Keynote von Martin Gleiss, Leiter Konzernlogistik und Warenfluss bei SPAR. Der Logistik-Experte gab einen Einblick in die Hightech-Lagerlogistik bei SPAR Österreich – sowohl im Zentrallager in Wels, wo in den letzten Jahren verschiedenste innovative Systeme wie etwa Dynamic Picking, OCP (Order Consolidation Puffer) oder nestbare Rollbehälter implementiert wurden, als auch im neuen, supermodernen Regionallager in Ebergassing bei Wien. „Warum beschäftigen wir uns mit Automatisierung? Weil die Arbeitnehmer immer älter werden. Der Anteil der Mitarbeiter über 50 Jahren steigt ständig, auch bei Spar. Wir stoßen hier immer mehr an die Grenzen, was die Rekrutierung von jungen Arbeitnehmern v.a. in den ländlichen Regionen betrifft“, verwies Gleiss auf die steigende Bedeutung des demografischen Wandels. „Hightech an unserem neuen Lager ist hauptsächlich das Weglassen von Technik!“, erklärte Gleiss das Erfolgsrezept des neuen Spar Lagers in Ebergassing, das ab Ende 2017 im Vollbetrieb laufen wird. In zehn Jahren sollen damit insgesamt 30 Mio. Euro Transportkosten eingespart werden.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, unterstrich zum Abschluss der Veranstaltung nochmal die Schwerpunktsetzung des Verbandes in den Bereichen Retail und Logistik, und bedankte sich bei den zahlreichen Besuchern.

Nach dem offiziellen Teil des Standorttages blieb den Gästen noch ausreichend Zeit für ausgiebiges Networking. Fazit: Die Kooperation zwischen Handelsverband und der Wochenzeitung Verkehr versammelte hochkarätige, kompetente Speaker in einem Top-Branchenevent und sorgte damit für einen take-home value der Extraklasse.