TAG DES HANDELS

Am 26. September findet in der Albert Hall der TAG DES HANDELS statt.  

Der Tag des Handels (halbtägige Veranstaltung) präsentiert einmal jährlich die neuesten Entwicklungen und Trends rund um die Themen Standort & POS - vom Lebensmittelhandel bis zum Elektrohandel.

Im Rahmen der Veranstaltung wird auch der Österreichische Handelspreis vergeben. 

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Nachbericht Tag des Handels 2018

Ein neues Siegel für heimische Händler

"Retail verändert sich disruptiv, und damit auch der Standort Österreich", so leitete Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des österreichischen Handelsverbands den TAG DES HANDELS 2018 ein, der mit 180 Besuchern an den Erfolg der letzten Jahre anknüpfte. "Vernetzen Sie sich, lernen Sie von den Besten und haben Sie keine Angst vor der Zukunft", appellierte Mayer-Heinisch an die Teilnehmer, bevor er das brandneue Handelsverband-Siegel "Österreichischer Händler" offiziell vorstellte. Allen Händlern mit Sitz und Gewerbeschein in Österreich steht das Siegel zum kostenlosen Download bereit. Eine wichtige Maßnahme gegen den Kaufkraftabfluss und für mehr Transparenz für die Konsumenten.

Finden, was man nie gesucht hat

Markus Hengstschläger, Genetiker und Bestseller-Autor, philosophierte in seiner erstklassigen Keynote über die Macht der Daten und Algorithmen, Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Auswirkungen von Social Media auf die Gesellschaft, die Zukunft des heimischen Bildungssystems und die Entstehung von Innovationen. Sein Fazit: "Innovationen entstehen fast immer als Nebeneffekte, was wir als Serendipity bezeichnen. Wir finden etwas, was wir eigentlich nie gesucht haben."

"Wenn wir Lebensmitteln keinen Wert geben, zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlage"

Welche Potenziale gibt es in der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und LEH? Diese Frage stand im Zentrum einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Elisabeth Köstinger (Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus), Frank Hensel (Vizepräsident Handelsverband), Hannes Royer (Land schafft Leben) und Martin Unger (Contrast EY).

Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger, selbst auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, gab zunächst ein Update über die jüngsten Gespräche beim informellen Rat der EU-Landwirtschaftsminister in Schloss Hof: "politisch und budgetär ist nur die Agrarpolitik in der Hand der EU, alles andere liegt bei den Mitgliedsstaaten. Das macht es so schwer." Die große Herausforderung in Österreich? Das Bauernsterben (jeden Tag sperren in Österreich 10 bis 12 Betriebe zu) zu stoppen. "Die Landwirtschaft ist extrem im Wandel. Vor allem kleinere Strukturen und Bergbauern in benachteiligten Regionen haben es schwer, zumal ihnen oft das Budget für Investitionen fehlt", so die Ministerin, "jeder Betrieb, der zusperren muss, ist eine Katastrophe"

"Österreich verfügt über eine sehr hohe Qualität, sowohl in der Landwirtschaft, als auch im Handel, dennoch gibt es Potenzial für Optimierung, nicht zuletzt in der Bewusstseinsbildung beim Konsumenten", meinte Berater und Handelsexperte Martin Unger. Er wies auf die vielen Erfolgsgeschichten im heimischen Handel – von Bio & Regionalität über die Verbannung von Käfig-Eiern bis zum Qualitätsprodukt Wein – hin und plädierte für ähnliche Anstrengungen auch im Fleischbereich.

"Für unser Auto nehmen wir schon mal das etwas teurere Öl, aber das Futter für unseren Motor, den menschlichen Körper, soll immer billig sein", bedauerte Hannes Royer, Gründer der unabhängigen Initiative Land schafft Leben, die allgegenwärtige Billig-Mentalität. Sein Ziel: die Konsumenten darüber aufzuklären, wie Lebensmittel heute tatsächlich entstehen – fernab vom Kitsch der TV-Werbung. "Wenn wir unseren Lebensmitteln keine Wertigkeit mehr geben, wird es auch für die heimischen Bauern immer schwerer. Und wir zerstören damit unsere eigene Lebensgrundlage", so Royer.

"Eine Partnerschaft funktioniert nur, wenn beide Seiten davon profitieren. Genau so ist es bei der langfristig gewachsenen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel", erklärte Frank Hensel, langjähriger Vorstandsvorsitzender von Rewe. "Unser gemeinsames Interesse – die Wertigkeit unserer Lebensmittel – müsste alle in der Produktions- und Lieferkette vereinen, auch die Politik." Daher könne man dem Handel auch nicht die alleinige Verantwortung für die Aufklärung der Konsumenten übertragen. "Für viele Konsumenten gibt es aber auch – ökonomisch bedingt – den Zwang zum Billigeinkauf. Nicht jeder kann sich Bio leisten", gab Hensel zu bedenken.

Der Österreichische Handelspreis 2018 geht an... Luis Drexel

Einer der Höhepunkte des "Tag des Handels" war die Vergabe des österreichischen Handelspreises für herausragende Leistungen im heimischen Handel. Die Auszeichnung wurde heuer an eine Persönlichkeit verliehen, die den österreichischen Handel entscheidend geprägt und gestaltet hat: Luis Drexel. Der Vorarlberger LEH-Pionier war fast 20 Jahre lang Vorstandsvorsitzender der SPAR AG Österreich und 10 Jahre lang Präsident des Aufsichtsrats. Luis Drexel hat die heimische Handelsbranche bereichert wie niemand sonst, mit Spar hat er ein großes Stück Handelsgeschichte geschrieben.

Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Wirtschaftsjournalist Hans-Peter Madlberger. "Luis Drexel und seine Spar stehen für Normalität, für Fleiß und Ausdauer. Luis Drexels Spar ist nicht  außerordentlich. Sondern über die Maßen ordentlich, diszipliniert und solide. Das begründet ihren Langzeiterfolg. Er ist der Mann, der Spar zum European Player im Lebensmittelhandel gemacht hat", lobte Madlberger.

Gerhard Drexel, Sohn des 94-jährigen Luis Drexel, heute Vorstandsvorsitzender von Spar und selbst eine Legende in der Branche, nahm die Auszeichnung stellvertretend für seinen Vater entgegen. Er verlas im Anschluss auch einen persönlichen Dankesbrief, der im Saal für große Begeisterung sorgte. Der Handelsverband gratuliert Luis Drexel ganz herzlich.

Die "unsichtbaren" Kosten der Raumordnung im LEH

Die erste Studienpräsentation des Nachmittags war Prof. Friedrich Schneider und Prof. Michael Mayrhofer von der JKU Linz vorbehalten. "Der tiefgreifende Strukturwandel im LEH hat in den letzten 25 Jahren zu größeren Verkaufslokalen mit einem größeren Warenangebot geführt. Dadurch gelten heute für nahezu alle Geschäftsbauten des LEH weitgehende Standortrestriktionen, die in den Raumordnungsgesetzen festgelegt sind", erklärte Michael Mayrhofer, Professor für Verfassungs- und Verwaltungsrecht.

Durch die unterschiedlichen Regelungen der Raumordnung unterscheidet sich auch das Einsparungspotenzial in den Bundesländern erheblich. Besonders viel gewinnen könnte der LEH in Kärnten, Niederösterreich und Tirol, da in diesen Bundesländern die derzeitigen Gesetze die Schaffung idealtypischer LEH-Standorte nicht ermöglichen. "Insgesamt ergibt sich ein maximales Potenzial zur Kostensenkung von 408 Millionen Euro. Das sind immerhin rund zwei Prozent des österreichischen LEH-Umsatzes von knapp 20 Milliarden Euro", so Friedrich Schneider, em. Professor für Volkswirtschaft.

Weitere Details zur Raumordnung-Studie finden Sie HIER.

"Noch nie in der Geschichte ist weltweit ein Land durch Sparen wirtschaftlich gewachsen."

Die zweite Keynote übernahm der Journalist, Verleger und Autor Peter Michael Lingens - und er gab sich durchaus kritisch. Insbesondere dem aktuellen Spar-Diktat der EU konnte er nichts positives abgewinnen: "Ich halte den Sparpakt der EU für eine Katastrophe. Die USA haben nach der Krise ja auch nicht gespart und sich viel schneller erholt als wir. Bis heute haben sie ein deutlich größeres Wirtschaftswachstum. Es ist noch nie in der Geschichte weltweit ein Land durch Sparen wirtschaftlich gewachsen", so Lingens. Auch zur Sozialpartnerschaft ("positiv"), der aktuellen Politik Donald Trumps ("unberechenbar") und der wirtschaftlichen Situation in Italien ("das nächste Griechenland") gab Lingens eine Einschätzung ab.

All Eyes on China: "Den Osten und den Westen miteinander verbinden"

Die anschließende "Big Ideas Session" von Marcel Münch (DONGXii) und Daniel Albrecht (Starke Consulting) stand ganz im Zeichen des Retail-Zukunftsmarktes China. 

"Wir wollen den Osten und den Westen miteinander verbinden. Gerade in China braucht man häufig einen Trade Partner, um überhaupt Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten. Bei einem Markteintritt in Asien ist der ROI gerade zu Beginn i.d.R. niedrig, da die initialen Marketinginvestitionen erheblich sein können", gab Marcel Münch, Co-Founder und CEO des deutschen Startup-Wunders DONDXii zu bedenken.

Doch auch die Chancen in China sind erheblich: "Bis 2020 wird der chinesische E-Commerce Markt größer sein, als die eCommerce Märkte aller anderen Länder zusammen", so die Einschätzung des deutschen Rechtsanwalts Daniel Albrecht. Der Managing Counsel von Starke Consulting muss es wissen, lebt er doch schon seit Jahren in China, um internationale Unternehmen im E-Commerce-Bereich zu beraten. Albrecht gab auch einen spannenden Einblick in das chinesische Markenrecht, Pekings "Great Firewall" und das Problem der Schutzmarkenbesetzung.

Weitere Details: www.gateway2asia.at

Logistik findet Stadt

Eine Podiumsdiskussion mit Logistik-Schwerpunkt durfte beim TAG DES HANDELS natürlich nicht fehlen. Die vier Diskutanten waren ebenso unterschiedlich wie hochkarätig. Kommt der Raumordnungstypus Logistikfläche? Wie stark behindern hohe Durchlaufzeiten bei Standortenscheidungen das Wachstum? Wie werden die Ballungszentren das enorme E-Commerce-Wachstum stemmen? Und was kann die EU Kommission beitragen? Nur einige der zahlreichen hochspannenden Fragen, die im Round Table diskutiert wurden.

Walter Trezek von Commerce Logistics Specialists (CLS) kam direkt von einer Arbeitssitzung der EU Kommission im Rahmen der Umsetzung des sog. VAT E-Commerce Package angereist und erläuterte die aktuellen Projekte der Europäischen Union im Bereich des Mehrwertsteuerrechts und der Logistik. "Jetzt ändert sich alles. Künftig werden auch Online-Händler aus Fernost die Einfuhrumsatzsteuer abliefern müssen - die Freigrenze fällt mit 1.1.2021", so der Experte mit 35 Jahren Erfahrung in der Postindustrie.

Jürgen Dachauer, Experte für den Schutz kritischer Infrastruktur im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), erläuterte die wichtigsten Strategien, um die Resilienz in Österreich für heimische Unternehmen zu erhöhen. "Der Lebensmittelsektor ist einer von 12 Sektoren, die bei uns zur kritischen Infrastruktur zählen und daher besonders schützenswert sind", so Dachauer, "angesichts der zunehmenden Vernetzung der Wirtschaft ändert sich nicht nur die Komplexität, sondern auch die Bedrohungslage."

Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik bei der österreichischen Post, referierte über die aktuellen Top-Trends in der Logistik - von der CO2-neutralen Zustellung über autonomes Fahren bis hin zur Erprobung von Drohnen reichte die Palette. Angesprochen auf den baldigen Start von "Amazon Logistics" meinte der Experte: "Amazon ist unser größer Kunde, und wird wohl auch unser größter Kunde bleiben." Anfang Oktober soll Amazon voraussichtlich in Wien mit einer eigenen Zustellung beginnen.

Franz Schwammenhöfer, Leiter der Stabstelle Logistikkoordination im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, brachte u.a. Licht ins Dunkel rund um das Schlagwort "Smart Urban Logistics". Im wesentlichen geht es "um Strategien und Systeme zur Erreichung eines effizienten Güterverkehrs in unseren Ballungszentren. Hier kommen spannende Dinge auf uns zu."

E-Commerce ist auf der Straße angekommen

Im abschließenden "Fireside Chat" nahmen Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort + Markt, und Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der WKÖ, den stationären Handel noch etwas genauer unter die Lupe. Strukturanalysen, regulatorische Rahmenbedingungen und politische Empfehlungen kamen nicht zu kurz.

"E-Commerce ist auf der Straße angekommen. Das Shopflächen-Wachstum reduziert sich zwar von Jahr zu Jahr und lag zuletzt nur mehr bei 1,0%, aber immerhin: es liegt nach wie vor ein Shopflächen-Wachstum vor", präsentierte Hannes Lindner spannende Zahlen einer brandneuen Studie. Weitere Details dazu HIER

Iris Thalbauer wiederum stellte Handlungsbedarf in verschiedensten Themengebieten fest, die den heimischen Händlern das Leben schwer machen: "Wöchentliche Demos auf beliebten Einkaufsstraßen müssen nicht sein, v.a. an den Weihnachtswochenenden sind sie ein Ärgernis", so die Juristin. "Aber auch das Thema Plattformhaftung, die Abschaffung der Mietvertragsgebühren oder ein Ausbau der EU-weiten Zollüberwachung stehen für uns ganz oben auf der Agenda", erklärte Thalbauer.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, unterstrich am Ende der Veranstaltung nochmal die Schwerpunktsetzung des Verbandes in den Bereichen Retail und Logistik, und bedankte sich bei den zahlreichen Besuchern. Nach dem offiziellen Teil des TAG DES HANDELS blieb den Gästen noch ausreichend Zeit für ausgiebiges Networking.

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