• Das Internet der Dinge

    Technologie treibt Handel 2014 - Wien, 18. November 2014

Nicht nur Smartphones und Tablets gehen online - mit Hilfe integrierter Funkmodule und Sensoren verbinden sich zunehmend auch Alltagsgegenstände mit dem Internet, um Daten zu senden und zu empfangen. Der smarte Kühlschrank, der Einkaufslisten verwaltet, ist erst der Anfang. Bis 2020 werden weltweit schon 50 Milliarden intelligente Gegenstände erwartet. Was das "Internet der Dinge" für den Handel konkret bietet, diskutierten hochkarätige Experten am 18. November 2014 auf Einladung des Handelsverbands in Kooperation mit T-Mobile Austria anhand von Best Practices und konkreten Lösungen.

Franz Zeller vom Österreichischen Rundfunk führte mit großer Sachkompetenz durch die Veranstaltung. Rund 120 BesucherInnen aus dem Handel folgten der Einladung, darunter Gerald Putz (C&A), Christian Sick (Eduscho), Gerald Gruber (MasterCard), Susanne Kremser (bauMax) und Klaus Magele (Salamander). Den passenden Rahmen für die Veranstaltung bot das eindrucksvolle T-Center der T-Mobile Austria. Der Handelsverband bedankt sich außerdem bei den Sponsoren exc.io, Kapsch und Point of Origin. Die Veranstaltungsreihe "Technologie treibt Handel" präsentiert den EntscheiderInnen im österreichischen Handel einmal jährlich die neuesten technologiegetriebenen Trends.

Sponsoren

Sprecher

Florian Abendschein

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl für Industrial Design, Technische Universität München
Als Gründungsberater für Design berät und begleitet Abendschein in allen wichtigen Phasen Projekte aus der Wissenschaft, insbesondere aus den Zukunftsfeldern CleanTech, IKT und MedTech. Der Diplom-Ingenieur studierte an der Technischen Universität München Architektur mit dem Schwerpunkt Industrial Design.

Dunja Bacinger-Tomaschitz

Managing Director Multichannel Retailing sowie Head of  Brand Communications, Leder & Schuh AG, Graz
Bacinger Tomaschitz studierte Anglistik und BWL in Österreich und der Schweiz. Ihren Werdegang startete sie in der Werbebranche. In ihrer heutigen Funktion verantwortet sie die verkaufskanalübergreifenden Services der Leder & Schuh-Brands wie HUMANIC, STIEFELKÖNIG und SHOE4YOU im In- und Ausland.

Dietmar Dahmen

Chief  Innovation Officer, ecx.io austria GmbH, Wels
Dahmen blickt auf  über 20 Jahre Erfahrung als Stratege, Texter und Creative Director zurück, u. a. bei Ogilvy und BBDO. Heute arbeitet er als Chief  Innovation Officer in der multinationalen Online-Agentur ecx.io und berät als freier Creative Consultant internationale Unternehmen. Dahmen beschäftigt sich ausgiebig damit, wie digitale Services und Netzwerke Märkte, Marken und Marketing verändern.

Jürgen Hase

Leiter, M2M Competence Center, Deutsche Telekom AG, Bonn
Hase leitet seit 2011 das M2M Competence Center der Deutschen Telekom, das sich mit internationalen Machine-to-Machine-Lösungen beschäftigt und Unternehmen in diesem Segment berät. Er ist seit mehr als 20 Jahren in der Telekommunikationsbranche und im M2M-Bereich tätig. Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender des Branchenverbands M2M Alliance.

Thomas Kicker

CCO, T-Mobile Austria GmbH, Wien
Anfang 2014 übernahm Kicker zusätzlich zum Bereich Business auch die Leitung des Bereichs Privatkunden bei der T-Mobile Austria GmbH. Er ist seit 2003 im Unternehmen tätig, u.a. als Bereichsleiter für tele.ring, Consumer Marketing und Retail.

Christian Kittl

Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter,evolaris next level GmbH, Graz
Kittl ist seit der Gründung im Jahr 2000 bei evolaris next level, Österreichs Kompetenzzentrum für mobile Innovationen und Geschäftsmodelle, tätig, seit 2010 als Geschäftsführer. Er besitzt Abschlüsse in Telematik sowie in BWL. Er ist Autor von über 40 Publikationen und engagiert sich als Mentor an der Fachhochschule Campus02 in der Studienrichtung IT & Wirtschaftsinformatik.

Volker Lange

Leiter, Verpackungs- und Handelslogistik, Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik, Dortmund
Lange ist Dozent an verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Der anerkannte Forscher beschäftigt sich u. a. mit dem Internet der Dinge und dessen Einfluss auf  logistische Systeme, unternehmerische Prozesse und der Entwicklung zur Industrie 4.0. Darüber hinaus ist er verantwortlich für die Themenfelder AutoID-Technologien und E-Commerce sowie für das openID-center.

Stephan Mayer-Heinisch

Portrait Stephan Mayer-Heinisch

Präsident, Handelsverband, Wien
Vor der Gründung der S. Mayer-Heinisch Consult GmbH im Jahr 2005 war Mayer-Heinisch von 2001 bis 2005 Leiter der Konzernkommunikation der Leder & Schuh AG. Von 1985 bis 2001 war er Geschäftsführer der Leder & Schuh-Töchter Humanic, Shoe 4 You, Dominici und Mega Socks. Zudem ist Mayer-Heinisch Obmann des Austrian Council of  Shopping Centers und Präsident des
Österreichischen Handelsverbands.

Alexander Peterlik

Business Development Manager, GS1 Austria GmbH, Wien
Peterlik startete seine Karriere im Tourismus, bevor er 2000 bei einem namhaften österreichischen Solution Provider in die Welt der Barcodes und RFID-Technologie eintrat. Seit 2006 berät er bei GS1 Austria Unternehmen in logistischen und prozessorientierten Projekten, unterstützt sie bei der Produktauswahl und ist für die GS1 Akademie PRO verantwortlich.

Thomas Schöfmann

Geschäftsführer, Conrad Electronic GmbH & Co KG, Wels 
Schöfmann ist gelernter Maschinenbauer und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Verkauf  und Marketing in der Industrie- und Unterhaltungselektronik. Er war seit 2007 Marketing- und Vertriebsleiter und ist seit 2012 als Geschäftsführer von Conrad Electronic Österreich in der Firmenzentrale in Wels tätig. Seither leitet er zusätzlich zum Online-Geschäft auch die sechs öster-
reichischen Megastores.

Franz Zeller

Leiter, MATRIX und DIGITAL.LEBEN, Ö1, ORF – Österreichischer Rundfunk, Wien 
Zeller studierte in Salzburg und Oxford Germanistik und Anglistik. Seit 2004 ist er als Wissenschaftsredakteur beim ORF-Radiosender Ö1 tätig. 2007 übernahm er die Leitung des Netzkulturmagazins „Matrix“, 2008 entwickelte er die Sendereihe „Digital.Leben“. Darüber hinaus schreibt Zeller Kriminalromane.

Nachbericht

Schnell ist man nur dann, wenn man rennt, also KEIN Bein mehr auf dem Boden hat 
Mit dem Mobiltelefon war es so: Bei seiner Einführung schien es nur für wenige wichtige Menschen sinnvoll, dann wurde es ein Gadget für Wichtigtuer, heute steckt es in jedermanns Tasche. Ähnlich die Entwicklung bei Grammophon, Kassette, CD, mp3. Und ebenso passierte es bei Zelluloid, Polaroid und Digitalfotografie. "Ist Ihnen schon aufgefallen, dass sich auf langer Strecke selten jene Unternehmen durchsetzten, die Technologieführer waren? Nokia, Kodak - beide haben sehenden Auges die Marktführerschaft abgegeben. Weil sie versuchten, in einer sich rasant verändernden Welt mit einem Bein auf dem Boden zu bleiben." Mit diesen Worten veranschaulicht Dieter Dahmen, Chief Innovation Officer, ecx.io austria GmbH, in seiner mitreißenden Keynote, wie wichtig es für Unternehmen ist, Innovationen zu begrüßen und aufzugreifen - nicht zuletzt in einer Zeit der "Perma-Revolution": Die Digitalisierung erstreckt sich auf alle Bereiche unseres Lebens. Alle Kunden sind mobil, sie kaufen und agieren in allen on- wie offline Kanälen. Quasi als Nebenprodukt all dessen erlaubt die Unmenge an gesammelten Daten auch noch Vorhersagen unseres Verhaltens. Und nicht zuletzt erhalten Daten dank 3D-Druck und Robotik sogar Form und Muskeln. Gastgeber Thomas Kicker, T-Mobile Austria GmbH, ergänzt: "Nur wer die Chancen neuer Technologien erkennt, hat die Chance, sich zu differenzieren!"

Internet der Dinge, CPS, Automatisierung, Industrie 4.0 - eine Definition 
Was ist nun genau dieses Internet der Dinge? Für Dahmen bedeutet es, dass "alles mit allem redet, Autos mit Autos und Kühlschränke mit Eiern". Christian Kittl, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der evolaris next level GmbH, spricht von einer Vernetzung absolut aller Gegenstände, also auch Tischen und Stühlen. In Abhängigkeit von ihrer Funktion in diesem riesigen Netzwerk verfügen die Objekte über Sensoren, die Licht, Position, Temperatur, Feuchtigkeit, Bewegung, Akustik und vieles mehr permanent messen und dem Netz mitteilen oder mit anderen Objekten interagieren. Volker Lange, Leiter der Abteilung Verpackungs- und Handelslogistik am Fraunhofer Institut in Dortmund, spricht von "cyber-physischen Systemen". Diese bezeichnen die Kopplung von Software-Komponenten mit physischen Prozessen und Objekten. Der Unterschied zu den seit den 70er Jahren angestrebten Automatisierungsprozessen: Diese Vernetzung geschieht nun über offene und globale Informationsnetze - das Internet.

Das Internet der Dinge im Einsatz: Unbegrenzte Möglichkeiten 
Eigentlich ist das Internet der Dinge schon ziemlich real: Car2gos senden ihren Standort und Tankstand auf die Smartphones der Nutzer. Beacons sind in aller Munde und auch schon in zahlreichen Shops im Einsatz, um mobile Geräte der Kunden direkt anzusprechen. Ikea bedient sich Augmented-Reality-Methoden, um Produkte aus dem Printkatalog in die virtuelle Welt der Kunden zu holen. Paketwände mit Kühlfunktion für den Lebensmittelversandhandel, Google Glass, Registrierkassen, die direkt mit dem Finanzamt kommunizieren, und Getränkeautomaten, die die Tageseinnahmen an den Betreiber funken und mittels WLAN Hotspot Kunden binden - dies alles sind gelebte Beispiele aus der Praxis.

Schon heute sehr erfolgreich im Einsatz ist der Humanic Avatar, ein Fußscanner, der dem Kunden im Shop wie online die Wahl der richtigen Schuhgröße abnimmt. "Wir haben schon über 100.000 Füße gescannt. Damit haben wir nicht nur ein Service-Plus im Laden, sondern dank der gesammelten Daten auch ein riesiges Know-how über Schuhgrößen und Fußformen", erklärt Kittl, der mit evolaris den Avatar für die Leder & Schuh AG entwickelt hat. Ebenfalls schon Realität: Das Internet der Dinge für zuhause. Conrad vertreibt mit derWunderBar ein Internet-der-Dinge-Starter-Kit, das aus sieben Modulen besteht, darunter Sensoren für Licht, Beschleunigung, Temperatur etc. "Das bedeutet smartes Programmieren für jedermann!", begeistert Thomas Schöfmann, Geschäftsführer des Elektronik-Fachhändlers.

Der Phantasie für weitere, visionäre Anwendungen sind keine Grenzen gesetzt: Sensoren in der Fahrbahn ermitteln freie Parkplätze für ein intelligentes Parkraummanagement. Sensoren in Müllcontainern sorgen dafür, dass die Abfuhr nur dann anfährt, wenn es auch nötig ist. Im Handel können die Lager- und Transportbedingungen von Produkten entlang der gesamten Lieferkette überwacht werden. Der Füllstand der Regale und der Prozess der Nachbestellung und Befüllung kann automatisiert werden. Kunden werden individueller serviciert, etwa entsprechend ihren Gewohnheiten, Vorlieben oder auch Allergien und Unverträglichkeiten. Sogar das Bezahlen wird revolutioniert: Sensoren erkennen den individuellen Herzschlag des Kunden und identifizieren ihn so.

Diskussion: Handel 4.0 & Industrie 4.0 - Chancen & Gefahren 
Wenn plötzlich weltweit alle Geräte miteinander kommunizieren, so entstehen riesige Datenströme. T-Mobile entwickelt Machine-to-Machine-Lösungen für Unternehmen und setzt dabei auf das eigene, stabile und bereits bestens etablierte Funknetz. Anders SigFox. Hierbei handelt es sich um ein eigens für M2M-Anwendungen entwickeltes, kostengünstiges und energieeffizientes ultraschmalbandiges Netzwerk, das derzeit in Frankreich, Russland, den Niederlanden, Spanien und UK verfügbar ist. In jedem Fall stellen sich Fragen nach Sicherheit und Datenschutz: Wie abhängig werden wir von den uns umgebenden Technologien? Welche Auswirkungen werden Hackerangriffe in einer derart interdependenten Infrastruktur haben? Wie gläsern sind wir, wenn alles lokalisiert, überwacht und ferngesteuert werden kann? Viele Fragen bleiben an diesem Abend offen, aber in einem Punkt sind sich die Diskutanten der abschließenden Podiumsdiskussion einig: Der Kunde teilt dann seine persönlichen Daten bereitwillig mit, wenn er dafür einen angemessenen Service erhält und ein gewisses Maß an Transparenz im Umgang mit seinen Daten gegeben ist.

Und bei all der Anwendungsvielfalt - wo liegt das größte Potential? 
"Die lückenlose Rückverfolgung bis hin zum Rohprodukt schafft eine nie dagewesene Transparenz: Wenn der Baumwollballen mit RFID ausgestattet wird, bekommt FairTrade eine völlig neue Dimension", sagt Alexander Peterlik, GS1 Austria GmbH. Florian Abendschein von der Technischen Universität München hingegen sieht das größte Potential in der Lenkung von Kundenströmen und damit besseren Servicierung der Kunden: "Ein dynamisches Informations- und Preismanagement könnte für eine balanciertere Auslastung von Zügen, Schaltern, Supermärkten sorgen". Matthias Fiegl wiederum, Head of Business Marketing & M2M Services, T-Mobile Austria, erwartet sich enorme Kosteneinsparungen durch hocheffiziente Logistikprozesse. 
Klar ist: Das Internet der Dinge eröffnet unbegrenzte Möglichkeiten - die Gesellschaft, und eben auch der Handel, müssen diese nun zu nutzen wissen.

Kontakt

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Nina Rudelsdorfer
Event-Manager
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