Coronavirus: Erste Fälle in Österreich. Handel ist vorbereitet.

COVID-19 sorgt für Unruhe in Europa. Lebensmittelhändler & Webshops sind gerüstet.

Wien, 27.02.2020 - Das Coronavirus (COVID-19) dominiert zurzeit die internationalen Schlagzeilen, China verzeichnet bereits großflächige Störungen seiner Wirtschaft. Die Situation könnte aber auch das Wirtschaftswachstum der wichtigsten Märkte in Asien und anderen Regionen zum Stillstand zu bringen. Der Handelsverband hat die möglichen Auswirkungen des Coronavirus auf den europäischen und österreichischen Einzelhandel analysiert.

Eines ist bereits klar: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie werden auch in Europa erheblich sein. Nach Bekanntwerden der jüngsten Zahlen zur Ausbreitung in China, Japan, Südkorea und zuletzt Italien sind die Aktienkurse seit Wochenbeginn eingebrochen. Diese Woche wurden auch die ersten positiven Tests auf Corona-Virus in Österreich bestätigt.

Lieferengpässe im Textil- & Elektrohandel befürchtet

Die Schäden durch Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten sowie eingeschränkte Konsummöglichkeiten sind vor allem in China und Südkorea beträchtlich. Beide Länder sind wichtige Handelspartner für Österreich. Hinzu kommen vorübergehende Produktionsstopps, von denen auch heimische Unternehmen betroffen sind, die im Reich der Mitte fertigen lassen.

Bleiben asiatische Fabriken aufgrund des Virus länger geschlossen, geraten auch deren Geschäftskunden in Europa und Nordamerika in Bedrängnis. Jüngst wurden etwa Lieferengpässe bei Apple iPhones bekannt, auch die britische Textilkette Primark warnte bereits vor Engpässen in Fernost.

Mittelfristig sind allerdings fast alle Branchen, Hersteller und Händler davon betroffen – seien es Möbel, Maschinenteile oder Medikamente. Auch für die europäische Futtermittelindustrie wird es schwieriger, weil einige Vitaminpräparate für Futtermittel knapp werden.

"Neben einem effektiven Gesundheitsschutz für die Bevölkerung muss die österreichische Bundesregierung jetzt auch das wirtschaftliche Krisenmanagement für unsere Unternehmen stärker in den Fokus nehmen", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

eCommerce legt zu, Luxusgüter-Branche rechnet mit Milliardenverlusten

Wenn weniger produziert wird, muss auch weniger transportiert werden. Das erleben zurzeit die Logistikkonzerne, deren Aktien in den letzten Tagen deutlich an Wert verloren haben. Aber auch viele Produzenten und Händler aus dem Luxusgüter-Segment geraten unter Druck, weil deren Umsätze stark von Touristen abhängen. Hier macht sich der Rückgang ausländischer Besucher also besonders stark bemerkbar.

Mit Umsatzsteigerungen darf hingegen der Onlinehandel rechnen. Er wird insbesondere durch die psychologischen Folgen der Corona-Krise mehr Zuspruch erhalten. So wurde beispielsweise der zweitgrößte chinesische Onlinehändler JD.com einst nach der SARS-Epidemie gegründet, weil die Kunden damals nicht mehr in den stationären Geschäften einkaufen wollten. Für den eCommerce wird daher entscheidend sein, neben der raschen Auslieferung auf der letzten Meile auch die gesamte Lieferkette in Krisenzeiten sicherstellen zu können.

Finanzielle Notfall-Pakete zur Unterstützung des Einzelhandels

In Japan hat die Regierung bereits vor zwei Wochen ein begrenztes Notfall-Paket von rund 90 Millionen Euro ankündigt, um einheimische Einzelhändler finanziell zu unterstützen. Taiwan überlegt die Bereitstellung von Retail-Gutscheinen im Wert von über 60 Millionen Euro, um den lokalen Konsum anzukurbeln, sobald die Ausbreitung des Corona-Virus nachlässt. Singapur wiederum will seinen Unternehmen und Haushalten mit mehr als 3,7 Milliarden Euro unter die Arme greifen.

Weltweit haben Immobilienentwickler und Vermieter von Einzelhandelsflächen indes versprochen, in den kommenden Monaten erhebliche Mietnachlässe zu gewähren, um die erwarteten Umsatzeinbußen abzuschwächen.

"Wir sehen derartige unbürokratische Notfall-Pakete zur kurzfristigen Unterstützung betroffener Unternehmen im Anlassfall sehr positiv. Langfristig gehen wir allerdings nicht davon aus, dass COVID-19 erhebliche dauerhafte Auswirkungen auf die Einzelhandelsmärkte in Europa haben wird. Immerhin sind wir heute viel besser gerüstet, eine derartige Krise zu meistern, als noch vor zehn Jahren", bestätigt Will.

Denn auch wenn das Corona-Virus mittlerweile Österreich erreicht hat, gibt es keinen Grund zur Panik. Vielmehr braucht es jetzt eine breite Informations- und Aufklärungskampagne für die heimische Bevölkerung sowie eine akkordierte Zusammenarbeit der österreichischen Regierung mit den europäischen Nachbarstaaten.

"Wir behalten die laufenden Entwicklungen genau im Auge und stehen mit politischen Vertretern, Organisationen, Verbänden ebenso wie mit unseren Händlern und Nahversorgern im engen Austausch", so Rainer Will abschließend.

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