VKI Preisvergleiche im Lebensmittelhandel führen den Konsumenten in die Irre

Wien, 02.09.2016 -  VKI vergleicht falsche Produkte miteinander und zieht irreführende Schlüsse. Handel möchte im Sinne des Konsumenten helfen die Qualität der Vergleiche zu erhöhen.

Die im Juli durchgeführte Erhebung des Vereins für Konsumenteninformation ist leider mehr als mangelhaft. Selten hat die Metapher „Äpfeln mit Birnen zu vergleichen“  besser gepasst als zu dieser Untersuchung.

Nur ein paar Beispiele:

  • regionale Aspekte, die Herkunft, werden nicht berücksichtigt
  • Toilettenpapier : VKI vergleicht Preise, ohne dabei die unterschiedliche Blattanzahl ,Länge der einzelnen Rollen und Qualitätsunterschiede zu berücksichtigen (z.B.: Eigenmarke vs. Recycling-Produkt)
  • bei Markenartikeln im Molkereisortiment werden verschiedene Marken verglichen
  • Ausgewählte BIO-Produkte werden nicht korrekt erfasst und im Vergleich gekennzeichnet
  • Großpackungen Maschinensemmeln werden mit frischen Backofensemmeln verglichen
  • Olivenöl: Öle der Güteklasse „nativ extra“ werden mit Ölen anderer Güteklassen verglichen
  • usw.

Preisvergleiche sind derart komplex, dass solche Fehler entstehen können. Unterschiedliche Produktqualitäten müssen ebenso berücksichtigt werden, wie Abweichungen bei Herkunft, Mengen, Zertifizierungen und Verpackung. Qualität zu vergleichen ist sehr anspruchsvoll.  Der Handel schätzt den VKI als unabhängige Instanz, die Konsumenten regelmäßig über Produkte, Qualität und Preise informiert. Die objektive Darstellung der Produkte in punkto Qualität und Preis ist jedoch von höchster Bedeutung. Eine Feedbackschleife mit den geprüften Händlern würde Falschaussagen verhindern und wäre demnach ganz im Sinne der Konsumenten. Der Handel hat großes Interesse die Qualität und Aussagekraft der Preisvergleiche zu verbessern und bietet seine Hilfe an. Kooperation statt Konfrontation wäre angebracht. Andernfalls  werden zukünftig  alle betroffenen Unternehmen Richtigstellungen einfordern, damit der Konsument nicht weiterhin genarrt wird.

Grundsätzlich ist es auch bedauerlich, dass solche Vergleiche immer nur den Preis ins Rampenlicht rücken und die Qualität hingegen vernachlässigt wird.  Dies wird dem qualitativ ausgezeichneten Sortiment der Lebensmittelhändler nicht gerecht. Jene sorgen mit einer europaweit einmaligen Filialdichte für eine außergewöhnliche Versorgungssicherheit. Das mag komfortabel für den Konsumenten sein, bedeutet jedoch weniger Umsatz pro Filiale und geringere Margen für die Unternehmen. Während der VKI unzulängliche Preisvergleiche anstellt, haben die heimischen Händler mit realen Kosten und schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, um sich am Markt zu behaupten. Ein Umstand den zuletzt Zielpunkt zu spüren bekam.

In diesem Umfeld sind auch latente Anschuldigen des VKI, dass es zwischen den Händlern Preisabsprachen gäbe, unangebracht und nicht mehr als falsche und kontraproduktive Unterstellungen, gegen die sich der Handelsverband, seine Mitglieder und die ganze Branche verwehren, damit dem Standort Österreich mit weiteren Falschmeldungen nicht noch mehr geschadet wird.

Der Fall Zielpunkt und divergierende Preise sind geradezu Zeugnis für einen fairen und harten Wettbewerb unter den Marktteilnehmern, dessen Resultat Produkte von bestmöglicher Qualität zum bestmöglichen Preis sind. Bevor man einen vermeintlichen „Preis-Trick“ unterstellt, sollte man sich mit den Realitäten der Handelslandschaft beschäftigen. Vor 30 Jahren konnte man mit Eckartikeln wie Tomaten, Eier oder Milch noch eine relevante Marge erzielen. Heute ist dies unmöglich, da der Mitbewerb durch permanente Marktbeobachtung sofort auf gesenkte Preise reagiert. Dieser gesunde Wettbewerb ermöglicht es dem preissensiblen Kunden, Lebensmittel des täglichen Gebrauchs -unabhängig vom Händler -  zu Bestpreisen zu erstehen.

Wenn man wirklich wissen will, wie Preise in Österreich zustande kommen, sollte man einen Blick auf folgende Faktoren werfen, anstatt Anschuldigungen zu erfinden:

  • hohe Lohn- und Lohnnebenkosten
  • hohe Steuern
  • teure Verkehrswege (herausfordernde Topografie)
  • hohe Filialdichte
  • kleiner Markt
  • hohe Stückkosten
  • hoher Bioanteil
  • hohe gesetzliche Standards
  • höhere Versorgungsdichte und höhere Einkaufsqualität als bspw. in Deutschland
  • höherer Aktionsanteil als bspw. in Deutschland
  • Ost-West-Gefälle (Auswirkungen: z.B. höhere Mautkosten in Tirol)



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