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    Das Handelsverband Zukunftspaket

Die bevorstehenden Nationalratswahlen im Oktober nimmt der Handelsverband zum Anlass, ein Zukunftspaket zu präsentieren, das sich an die nächste Bundesregierung richtet und gleichzeitig die Richtung für die Verbandsarbeit der kommenden Jahre vorgibt.

Mit mehr als 580.000 Beschäftigten ist der Handel der zweitgrößte Arbeitgeber in Österreich und eine der wichtigsten Säulen der Wirtschaft. Ungeachtet dieser Bedeutung und seiner zentralen Versorgungsfunktion haben sich die Rahmenbedingungen für den Handel in den letzten Jahren kaum verbessert. Österreich ist ein Land der hohen Steuern und Lohnnebenkosten, ein Land mit extremer Regulierungsdichte und zu viel Bürokratie. Die Handelsbranche, die in Zeiten des digitalen Wandels ohnehin in einem beinharten globalen Wettbewerb steht, sieht sich mit immer neuen Auflagen und Gesetzen konfrontiert, die ihre Entwicklung behindern. So müssen die heimischen Händler ständig mit angezogener Handbremse fahren.

Die Nationalratswahlen am 15. Oktober 2017 sind richtungsweisend. Sie entscheiden, welchen Weg Österreich in den nächsten fünf Jahren gehen wird. Der Handelsverband konnte durch Bewusstseinsbildung, Lobbying und persönliche Gespräche mit allen relevanten politischen Kräften des Landes bereits zahlreiche Erfolge für den Handel und seine Beschäftigten erzielen. Doch vieles bleibt noch zu tun, und das geht nur gemeinsam. Der Handelsverband wendet sich deshalb mit einem 7-Punkte-Zukunftspaket an die Politik: Wir fordern die nächste Regierung auf, die Bremsen zu lösen und dem österreichischen Handel freie Fahrt in eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen.

1. Mehr Freiheit

Flexible Arbeitszeiten

  • weil der digitale Wandel völlig neue Arbeitswelten schafft
  • weil die Wochenöffnungszeiten und Zuschlagsregeln im Handel zu starr und kompliziert sind
  • weil junge Arbeitnehmer mehr Freiheit und Work-Life-Balance wollen

Empfehlungen

  • Österreich braucht endlich eine zukunftsfähige Lösung bei der Frage der Arbeitszeitregelungen im Handel. Die jüngst beschlossene Entgeltreform, die mit 01.12.2017 in Kraft treten wird, kann nur der erste Teil eines umfassenden Reformpakets sein.
  • Teil zwei der Kollektivvertragsreform muss daher eine Vereinfachung und Entrümpelung des Zuschlagswesens (wochentags ab 18:30 Uhr und samstags ab 13:00 Uhr zwischen 30-70% und ab 20:00 Uhr 100%) vorsehen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn die starre Zuschlagsregelung ist für österreichische Händler insbesondere im internationalen Vergleich ein massiver Wettbewerbsnachteil. Es muss künftig möglich sein, die tägliche Arbeitszeit im Handel von 10 auf 12 Stunden zu ändern, ohne die Gesamtarbeitszeit zu erhöhen.
  • Eine Ausweitung der maximalen wöchentlichen Ladenöffnungszeiten von 72 auf 76 Stunden hätte ebenfalls eine massive Beschäftigungswirkung für den heimischen Arbeitsmarkt.

Mehr unternehmerische Freiheit

  • weil die Steuer- und Abgabenquote in kaum einem Land der westlichen Welt so hoch ist wie in Österreich
  • weil sich die starke Besteuerung des Faktors Arbeit negativ auf die Beschäftigungszahlen auswirkt
  • weil eine Senkung der Steuerbelastung für heimische Händler die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts sicherstellen kann
  • weil Regulierung das Funktionieren eines Marktes nicht unbedingt fördert (siehe die extreme Konzentration im Online-Handel)

Empfehlungen

  • In kaum einem westlichen Land ist die Besteuerung des Faktors Arbeit höher als in Österreich. Daher braucht es dringend eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Lohnsteuer insb. für die untersten Tarifstufen.
  • Die kalte Progression frisst den ÖsterreicherInnen von Jahr zu Jahr mehr vom Lohn weg. Die anziehende Inflation wird diesen Effekt in den nächsten Jahren weiter verstärken. Eine inflationsberücksichtigende Anpassung der Steuerstufen würde für mehr Fairness und Kaufkraft im Land sorgen. Jährliche Lohnerhöhungen wie sie im Handel üblich sind, sollen auch bei den MitarbeiterInnen ankommen. Die reduzierten Steuereinnahmen könnten durch eine umfassende Strukturreform um ein Vielfaches ausgeglichen werden.
  • Verkaufsoffener KMU-Sonntag in Wien: Machen wir Wien zu einer Modellregion und erlauben wir jenen, die arbeiten wollen, zu arbeiten. Eine Regelung, die es jedem Unternehmer ermöglicht, sonntags aufzusperren, sofern nur er selbst im Geschäft steht, würde die für Österreich so wichtigen EPU und Kleinstunternehmen fördern, ohne den Arbeitnehmerschutz zu berühren. Jedem Unternehmer stünde es frei, ob er sonntags aufsperrt oder nicht. Alle ArbeitnehmerInnen wären davon völlig unbetroffen.
  • Auch die digitalen Präsenzen der heimischen Händler könnten davon profitieren, denn Eigentümer können am Sonntag aus dem Store heraus Online-Kunden servicieren, Produkte fotografieren, kommissionieren und entsprechend den Versand vorbereiten, immerhin ist der Sonntag Shopping Tag Nr.1 im E-Commerce.

2. Mehr Gerechtigkeit

Fairer Welthandel

  • weil Spielregeln für alle gelten sollten – egal ob groß oder klein
  • weil wettbewerbsverzerrende Zollfreigrenzen und Plattformkonstruktionen den Import von Billigwaren fördern

Empfehlungen

  • Die Aufhebung der Mehrwertsteuerbefreiung für Postlieferungen aus Drittländern unter 22 Euro Warenwert bringt mehr Wettbewerbsfähigkeit und Chancengleichheit im globalen Handel.
  • Ein EU-Kommissionsvorschlag zur Mehrwertsteuerrichtlinie liegt bereits vor. Die Steuerbefreiung für die Einfuhr von Kleinsendungen aus Drittstaaten soll demnach mit 1. Jänner 2021 abgeschafft werden.
  • Dies bedeutet einen Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen der Mitgliedstaaten von 7 Mrd. EUR jährlich und verbesserte Wettbewerbsbedingungen für die gegenwärtig benachteiligten Unternehmen aus der EU.
  • Keine Körperschaftssteuervermeidung durch Hilfsstätten-Konstrukt! Während jedes heimische KMU mit der Körperschaftssteuer belastet wird, umgehen internationale Online-Händler diese, indem sie Hilfsstätten statt Betriebsstätten betreiben. Die Einführung digitaler Betriebsstätten könnte hier rasch Abhilfe schaffen, unfaire Gewinnverschiebungen verhindern und der Steuervermeidung globaler Großkonzerne effektiv entgegenwirken.

Steuergerechtigkeit

  • weil in Österreich erzielte Gewinne auch in Österreich versteuert werden sollten
  • weil legale Steuervorteile für globale Online-Händler den heimischen Handel gefährden
  • weil Umsatzsteuerumgehungen durch Drittstaat-Händler beim Versand in die EU ein ruinösen Preisdumping im E-Commerce befeuern

Empfehlungen

  • Ein Großteil der Waren, die asiatische Händler über Plattformen vertreiben, wird ohne Umsatzsteuer verkauft. Händler aus Nicht-EU-Staaten, die auf Onlinemarktplätzen ihre Waren anbieten, vermeiden also die Umsatzsteuer und verschaffen sich so Wettbewerbsvorteile gegenüber heimischen Händlern.
  • Dadurch entgehen dem Staat Millionen an Steuereinnahmen, aber vor allem werden heimische Händler aus dem Markt gedrängt, da die internationale Konkurrenz ihre Produkte durch diese Steuervorteile günstiger anbieten kann.
  • In Großbritannien ziehen die Finanzbehörden seit einem Jahr die Marktplätze zur Verantwortung und verlangen von ihnen, die Umsatzsteuer ihrer Marktplatz-Händler aus Drittstaaten einzuziehen. Die Behörden schätzen die Mehreinnahmen 2016 auf eine Milliarde britische Pfund. Wettbewerbsverzerrende Steuerregelungen sowie Steuer-und Zollfreigrenzen die Billigwaren nach wie vor in die restliche EU schleusen, müssen auch bei uns abgeschafft werden.
  • Onlineplattformen sind ein wichtiger Vertriebsweg im Cross-Border-Handel und ein Partner für heimische Unternehmen, jedoch braucht es eine faire Besteuerung für alle Marktteilnehmer. Damit wäre der zusätzliche Preisvorteil dahin, Arbeitsplätze würden geschützt und die Steuereinnahmen in Österreich würden steigen.

3. Mehr Effizienz

Bürokratieabbau

  • weil Überreglementierung der Wachstumskiller Nr. 1 und Gift für die Arbeitsplätze ist
  • weil jedes neue Gesetz neue Bürokratie für die Händler schafft und weniger oft mehr ist
  • weil der Staat an den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen ausgerichtet sein sollte
  • weil Steuergeldverschwendung keine Zukunft hat

Empfehlungen

  • Eine substantielle Entbürokratisierung und Deregulierung ist essentiell, um ein unternehmerfreundliches, innovatives Handlungsumfeld für alle zu schaffen. Nicht budgetwirksame Maßnahmen wie etwa die Reduktion von Golden Plating (die restriktivere Auslegung von EU-Verordnungen) in nicht sensiblen Bereichen können Wirtschaft und Beschäftigung weiter stimulieren.
  • Sunset-Clause (Gesetze mit Ablaufdatum) würden das Ziel unterstützen, systemisch die Gesetzesstrukturen zu bereinigen und damit auf der Ausgabenseite einzusparen. Verfahrensbeschleunigungen durch Transparenz und Klarheit sind ein Motor für planbares wirtschaftliches Handeln.
  • Behörden als One-Stop-Shop für alle unternehmerischen Belange können dabei helfen, Betriebsgründungen zu beschleunigen und den Bürokratiedschungel zu durchbrechen.
  • Reform des Arbeitsinspektorats, um unnötig belastende, kostenintensive Vorgaben insbesondere für KMUs abzuschaffen.
  • Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten für Händler zu entbürokratisieren wäre ein weiterer wichtiger Schritt, damit der beschäftigungsintensive Handel weiter als Jobmotor fungieren und die 580.000 heimischen Arbeitsverhältnisse absichern kann.

Föderalismusreform

  • weil 9 unterschiedliche Landesgesetzgebungen für den Handel eine riesige Last darstellen
  • weil Themen wie Raumordnung, Flächenwidmung oder Abfallwirtschaft österreichweit harmonisiert gehören

Empfehlungen

  • Zu viel Bürokratie und Föderalismus sorgen für eine Überregulierung und oft lange Wartezeiten bei Genehmigungsverfahren, Baubewilligungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen.
  • Zur Stärkung insb. mittelständischer Unternehmen sowie der heimischen Nahversorgung braucht es eine möglichst effiziente, zentralisierte Raumordnung.

4. Mehr Innovation

Infrastrukturoffensive

  • weil infrastrukturseitige State-of-the-Art-Technologien über die globale Wettbewerbsfähigkeit entscheiden
  • weil fehlende Infrastruktur am Land zu einem Brain Drain in die Städte führt
  • weil regionale Vielfalt eine große Stärke Österreichs ist

Empfehlungen

  • Digitalisierungsoffensive: Wir fordern einen flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes insb. auch in strukturschwachen Regionen.
  • Darauf folgend sollte Österreich als 5G-Pilotland etabliert werden.
  • Innovationsinitiativen müssen auch beim Handel ankommen, da dieser sich ändert und immer komplexer und technologielastiger wird.
  • Eine gezielte Förderung von Leuchtturmprojekten in disruptiven Technologien wie Blockchain ist fundamental. In diesen Bereichen kann Österreich von globalen Entwicklungen wie aktuell in China (ICO-Verbot) profitieren, allerdings nur, wenn smart und sinnvoll reguliert wird.
  • Der Handel sollte künftig stärker in Infrastruktur-Projektierungen eingebunden werden, etwa bei der Schaffung von Begegnungszonen in Einkaufsstraßen

Neue Innovationskultur

  • weil disruptive Technologien (Blockchain, Machine Learning, etc) ganze Wirtschaftszweige revolutionieren
  • weil sich Unternehmergeist, Leistung und Eigeninitiative wieder lohnen sollen
  • weil neue Geschäftsmodelle und Startups ein Wachstumsmotor für die Wirtschaft sind
  • weil die Vernetzung von Theorie (Grundlagenforschung) & Praxis (Leuchtturm-Projekte) unerlässlich ist
  • weil eine Überregulierung das Potenzial neuer Technologien bereits im Keim erstickt

Empfehlungen

  • Der Zugang zu Beteiligungs- und Risikokapital liegt in Österreich weit unter dem EU-Durchschnitt und muss daher dringend erhöht werden. Insb. junge Unternehmen und Startups brauchen einen erleichterten, unkomplizierten Zugang zu Kapital.
  • Rigide Vorschriften in der Kreditvergabe hemmen das volkswirtschaftliche Innovationspotenzial. Daher sollten staatliche Förderungen, Forschungsprämien und Haftungsübernahmen ausgeweitet werden. Auch für Venture Capital Geber und Business Angels sollten gezielt Anreize geschaffen werden.
  • Es braucht eine klare Schwerpunktsetzung bei der Grundlagenforschung ebenso wie in der angewandten Spitzenforschung, denn Forschung und Innovation sind entscheidend, um Österreichs Lebensstandard langfristig abzusichern. Hierfür ist eine Forschungsquote von mindestens 3,75% des BIP erforderlich.

5. Mehr Exzellenz

Lebenslanges Lernen

  • weil ein erweitertes Bildungssystem die Menschen fit für den digitalen Wandel macht
  • weil eine erstklassige Bildung die Befähigung für Freiheit, kritisches Denken und gesellschaftlichen Fortschritt liefert
  • weil unsere Lebenserwartung heute höher ist als je zuvor

Empfehlungen

  • Die Lebenserwartung der ÖsterreicherInnen ist heute um 10 Jahre höher als noch vor 15 Jahren. Daher braucht es ein zweites Bildungssystem, das die Menschen fit für den digitalen Wandel macht.
  • Damit Österreich im weltweiten Innovationswettbewerb mithalten kann, brauchen wir ein exzellentes Schulsystem sowie nachhaltige, interdisziplinäre Grundlagen- und Anwendungsforschung in disruptiven Technologiebereichen wie Blockchain oder Artificial Intelligence.

Durchlässiges Schulsystem

  • weil nur eine praxisnahe Ausbildung die duale Grundlage für beruflichen Erfolg liefert
  • weil Österreich mehr Spitze und mehr Breite in der Bildungsqualität braucht – von der Elementarbildung bis zu den Hochschulen
  • weil neue Anforderungen im Job eine digitale (Aus)Bildung auf allen Ebenen voraussetzen
  • weil unser Bildungssystem mutige, neugierige und kreative Menschen hervorbringen sollte - unabhängig von deren Herkunft

Empfehlungen

  • Zur Bekämpfung des aktuellen Fachkräftemangels ist eine Förderung der Ausbildung in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) unumgänglich.
  • Angewandtes "blended learning" ist eine gute Basis, künftig müssen aber auch die richtigen Lerninhalte vermittelt werden, etwa durch die kürzlich beschlossene Verankerung eines eigenen E-Commerce Moduls im Lehrplan, um den heterogenen, digitalen Anforderungen im Handel gerecht zu werden (Lehrberufspaket 2017).
  • Investitionen in die Ausbildung der Handelsangestellten sind eine Investition in die Zukunft des Standortes Österreich und das beste Mittel für eine hohe Beschäftigungsquote. Eine höhere Durchlässigkeit im Bildungssystem - zwischen Lehre, Matura und Studium - ist hierfür ebenso entscheidend wie eine stärkere Förderung von Innovation und Digitalisierung in der Ausbildung.

6. Mehr Sicherheit

"Digitale" Sicherheit

  • weil die fortschreitende Digitalisierung Unternehmen für Cyberattacken angreifbar macht
  • weil die Sicherung kritischer Infrastrukturen oberste Priorität hat

Empfehlungen

  • In Zeiten von Big Data und der Auslagerung massiver Datenmengen in die Cloud wird der Datenschutz für österreichische Unternehmen immer wichtiger. Daher müssen rechtliche Rahmenbedingungen für den Schutz personenbezogener Daten sichergestellt werden.
  • Seit 1.8.2016 können sich Unternehmen beim US-Handelsministerium für die Aufnahme in die EU-US-Datenschutzschild-Liste registrieren. Der Handelsverband begrüßt das EU-US-Datenschutzschild, das als Nachfolge der gekippten Safe-Harbor-Regelung, Rechtssicherheit und besseren Schutz für den transatlantischen Datenverkehr bringen soll.
  • Jede neue Technologie (z.B. IoT) vergrößert die Angriffsfläche für Cyber-Kriminelle. Diese agieren immer organsierter und professioneller. Handelsunternehmen stehen statistisch dreimal öfter im Visier von Cyberkriminellen als jede andere Branche. Daher ist seitens der Behörden ein verstärkter Fokus auf die Bekämpfung von Cybercrime unbedingt erforderlich.
  • Ab Mai 2018 ist die EU-Datenschutzgrundverordnung verpflichtend anzuwenden. Insb. kleinere und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützung, um sämtliche Vorgaben zeitnah implementieren zu können.
  • Die NIS-Richtlinie der EU, welche verbindliche Sicherheitsbestimmungen und Berichtspflichten für kritische Infrastrukturen vorsieht, die Cyber-Sicherheits-Strategie der Bundesregierung sowie das geplante Cybersicherheitsgesetz sind wichtige Bausteine, um auf exekutiver Ebene bestmöglich auf die neuen Gefahren vorbereitet zu sein und entsprechend schnell reagieren zu können. Wir empfehlen, in Anlehnung an die deutsche Cybersicherheitsstrategie, einen österreichspezifischen Ansatz für die Bekämpfung der Schattenseiten der Digitalisierung zu entwickeln.
  • Die österreichische Bundesregierung hat mit der Digital Roadmap positive und potentiell negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft erkannt. Daraus müssen zeitnah zukunftstaugliche Maßnahmen abgeleitet werden, etwa eine 24h-Hotline für betroffene Firmen.

"Analoge" Sicherheit

  • weil Bandenkriminalität, organisierte Bettelei und Ladendiebstahl zunehmen
  • weil sich die Sicherheitslage in europäischen Ballungszentren und Frequenzlagen verändert hat

Empfehlungen

  • Demonstrationen und Straßensperren in Hochfrequenzzonen (z.B. Ring, Kärntner Straße, Mariahilfer Straße) sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko für Teilnehmer und Anrainer, sondern auch massiv geschäftsschädigend für den Handel. Alleine die jährlichen Demos im Zentrum von Wien verringern den Jahresumsatz im stationären Einzelhandel um 2,6 Prozent, das entspricht 120 Arbeitsplätzen.
  • Zahlreiche Studien zu den Auswirkungen von Straßensperren auf den Handel haben gezeigt, dass die Einrichtung geeigneter Demozonen oder Speakers Corner (z.B. am Wiener Schwarzenbergplatz) Abhilfe schaffen könnten.
  • Der Handelsverband fordert daher eine gemeinsame Lösung, mit der alle Seiten – Händler, Politiker, Anrainer, NGOs – gut leben können, ohne die verfassungsmäßig garantierten Grundrechte zu beschneiden.
  • Wünschenswert wären u.a. eine Verlängerung der Demo-Anmeldefrist von 24 auf 72 Stunden sowie ein zentraler Ansprechpartner bei jeder Demonstration, damit sich Geschädigte auch unmittelbar an Verantwortliche wenden können.
  • Aggressive, organisierte Bettelei: Dieses Problem kann nur durch verstärkte Präventionsmaßnahmen bereits an der Wurzel gelöst werden, etwa durch entsprechende Einsätze in den Herkunftsländern wie Rumänien oder Bulgarien. Zusätzlich können weitere sektorale Betteleiverbote angedacht werden.

7. Mehr Europa

Europäische Identität stärken

  • weil wir die Regulierungswut reduzieren und Verordnungen effizient aufeinander abstimmen müssen
  • weil die EU der größte gemeinsame Markt der Welt ist und damit Relevanz und Verbundeffekte (Digitaler Binnenmarkt) verstärkt werden können
  • weil wir alle von einer starken europäischen Wertegemeinschaft profitieren

Empfehlungen

  • EU Digital Single Market: Die geplante Richtlinien-Novelle zur EU-weiten Harmonisierung der Gewährleistung sieht eine wie bereits bisher in Österreich vorhandene Gewährleistung von 24 Monaten vor, verpflichtet jedoch den Händler, für diese gesamte Zeit beweisen zu müssen, dass ein etwaiger Mangel der Ware nicht bereits bei Übergabe vorlag.
  • Bisher war diese Frist auf 6 Monate begrenzt, mit der künftigen Ausweitung auf die volle Gewährleistungszeit sowie der Beweislastumkehr wird dem Kunden ein Freibrief zum Umtausch ausgestellt, der gerade Klein- und Mittelbetriebe hart treffen kann.
  • Verbraucherschutz ist wichtig und sollte durchaus ausgebaut werden, jedoch nicht in einer derart praxisfernen und schwer geschäftsschädigenden Form auf Kosten des Handels. Dadurch würde der Mittelstand vom Markt gedrängt und sich die Angebotsvielfalt für den Konsumenten deutlich reduzieren.
  • Wir brauchen keine Monopolmärkte, sondern einen europäischen (digitalen) Binnenmarkt, der allerdings nur durch fairen Interessensausgleich erreicht werden kann.

EU-Perspektive auf den Mittelstand

  • weil wir eine Handelspolitik brauchen, in der auch Klein- und Mittelbetriebe überleben können
  • weil der Steuerwettlauf zwischen den Mitgliedsstaaten kontraproduktiv ist

Empfehlungen

  • Geoblocking-Verordnung: Wir haben Bedenken gegenüber dem Vorschlag der Europäischen Kommission bzgl. Maßnahmen gegen ungerechtfertigtes Geoblocking und andere Formen der Diskriminierung, da die dadurch auf Online-Shopbetreiber zukommenden Kosten nicht abschätzbar sind.
  • Die Geoblocking-Verordnung sieht einen Kontrahierungszwang innerhalb der EU vor. Dieser würde zu enormen Kosten und Rechtsunsicherheiten bei den Händlern führen. Die finanziellen Auswirkungen für Onlinehändler sind durch die erzwungene Internationalität und die Komplexität, die zu hohen laufenden Infrastrukturkosten führen, unzumutbar hoch.
  • Weiters stellt der grenzüberschreitende Kontrahierungszwang eine gravierende Einschränkung der Vertragsfreiheit der Händler dar. Dass die Verpflichtung zum Verkauf, aber nicht zum Versand besteht, bringt weitere Unsicherheit, nicht zuletzt weil eine mögliche Ausweitung in der Verordnung angedeutet wird. Die EU erkennt hier zwar das Problem, präsentiert jedoch kontraproduktive Lösungen, die nicht praxistauglich sind.
  • Für einen funktionierenden Europäischen Binnenmarkt müssen zuerst wettbewerbsverzerrende Bedingungen aufgehoben, ein einheitliches Mehrwertsteuersystem eingeführt, die Vertragsregeln und Verbraucherrechte europaweit harmonisiert und ein durchgängiger Paketzustellungsmarkt etabliert werden.
  • EU-Datenschutzgrundverordnung & ePrivacy-Verordnung: Eine freie Zustimmung der Konsumenten zu Werbung im E-Commerce ist wünschenswert, allerdings nur dann, wenn KMU bis 250 Mitarbeiter aus den erweiterten Dokumentationspflichten des Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten ausgenommen sind und Unternehmen nicht horrende Strafen für kleinste Übertretungen angedroht werden.

 

 

Kontakt

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Ing. Mag. Rainer Will
Geschäftsführer
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